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Der jüdische Student · 1915-06-11 · Heft 1 (11.6.1915) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
12 (1915-1916)
Issue
Heft 1 (11.6.1915)
Date
1915-06-11
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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5 Am Schluß derselben heifit es im Anschluß an das neue K.J.V.- Programm wörtlich: „Mit der Annahme dieses Programmes waren alle Unzulänglichkeiten der bisherigen Tendenzen beseitigt Der B. J. C bekam jetzt ein Programm, das seine Bestrebungen klar und offen ausdrückte, das K. Z. V. ist von seinem zionistischen Programm befreit, das es in seiner äußeren und inneren Entwickelung beeinträchtigte; äußerlich, weil das Wort Zionismus* einen leider noch schlechten Klang bei den jüdischen Abiturienten hat, innerlich aber deshalb, weil dieser parteipolitische Ausdruck in eine studentische Korporation nicht hineingehört und die Mitglieder in ihrer selbständigen Entwickelung einengte. „Denn mit Recht sträubte sich der B.j. C. gegen ein Programm mit dem Ausdruck Zionismus; was wir wollen, ist mehr als Zionismus, der sich in der Anerkennung der jüdischen Nation und der Unterstützung des palästinensischen Kolonisationswerkes erschöpft, es ist die Erneuerung des jüdischen Volkstums, wie es im ersten Tendenzparagraphen heißt, und das bedeutet nichts weniger als die Erweckung sämtlicher im Judentum schlummernder oder falsch augenutzter Kräfte und ihre Verwertung im jüdischnationalen Sinne. Es sind die Kräfte, die beim Westjuden nur für sein Wirtsvolk Werte schaffen und die beim Ostjuden infolge des Druckes von aussen fast gänzlich verkümmert sind. „Eine spezifisch jüdische Kultur gilt es zu schaffen, nicht die zurückgebliebene, stagnierende des Zeitalters vor der Emanzipation, sondern eine moderne, den anderen Volkskulturen der Jetztzeit gleichwertige; denn die Vielheit der Kulturen erst schafft die allgemeine Kultur der Menschheit und bringt sie höher. Voraussetzung für die jüdische Kultur sind ein jüdisches Milieu, eine jüdische Sprache und die Erziehung geschlossener, bewußt jüdischer Persönlichkeiten. Das sind Aufgaben, die der Zionismus allein nicht zu erfüllen vermag; das ist eben die Aufgabe der geistigen Führer des neu erwachenden Judentums, und diese soll das neu geschaffene Kartelf hervorbringen/* Ich muß annehmen, daß diese ganze zitierte Stelle völlig Eure Billigung gefunden hat, da die sonst bis ins kleinste sorgfältig korrigierte Arbeit hier nicht nur von Randbemerkungen frei ist, sondern sogar da, wo von der Entwickelungshemmung der Mitglieder durch ein „parteipolitisches Programm" die Rede ist, den Vermerk trägt: „Es wäre schön, wenn auch dies näher dargelegt worden wäre"! Wenn ich jetzt zu diesem Tatbestand einiges zu bemerket! habe, kann ich zwar meine Erörterungen durch keinerlei Beamfenauiorität stützen, glaube aber, daß ihnen trotzdem etwas mehr Bedeutung beigemessen werden muß als den -unverbindlichen Worten irgendeines homo privates, deshalb, weif ich mit am wesentlichsten zum Zustandekommen der Fusion und danach zu ihrer weiteren praktischen Durchführung beigetragen habe.

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