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Der jüdische Student · 1915-03-12 · Heft 7 (12.3.1915) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
11 (1914-1915)
Issue
Heft 7 (12.3.1915)
Date
1915-03-12
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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!9S Der jüdische Student Eltern nur hebräisch korrespondiert. Als er als Aufseher nach Cottbus zum Barackenbau ging, war er glücklich, als ich ihm aus Calvarys Bibliothek zwei hebräische Bücher leihweise mitgab. Die Umgangssprache der. großen Mehrheit ist Jargon; und da sich bei den mit hebräischen Schriftzeichen geschriebenen Jsrgonmitteilungen Schwierigkeiten ergeben haben, diese daher jetzt auch mit deutschen Buchstaben geschrieben werden müssen, so ergeben sich manchmal recht drollige orthographische Monstra. Wie hier, so finden sich überall die merkwürdigsten Gegensätze. Wir haben eine große Menge streng Orthodoxer, unter ihnen einen Zivilgetangenen, Spediteur aus Slupee, einen alten Herrn, der als Geisel erst nach Posen, dann zu uns nach Crossen gebracht worden war. Da dieser Mann nicht zu bewegen war, treife zu essen, lebte er fast drei Wochen nur von Brot, Kaffee und Kartoffeln, bis es ihm durch eine Intervention Calvarys beim Lagerkommandanten, der natürlich von diesen Verhältnissen keine Ahnung -hatte, gestattet wurde, sich koschere Fleischkonserven kommen zu lassen. Und danebengibt es Leute, die. anstatt zum Gottesdienst zu kommen, in den Baracken sitzen und Karten spielen; ja am Jom-Kippur gab es sogar Leute, d)t nicht nur nicht fasteten, sondern noch die Portionen derjenigen, die fasteten, mitaßen. Auch sonst diese Gegensätze; Juden gehören zu den körperlich Kümmerlichsten, zu den Insassen der unter besonderer ärztlicher Aufsicht stehenden, für besonders Schwache bestimmten Revierbaracken in großer Zahl; aber fast die ganze Lagerfeuerwehr besteht aus Juden, und das ist eine Paradetruppe aus ' den kräftigsten, gewandtesten und militärisch am besten geschulten Leuten. Viele Juden gehören, was ich besonders beobachten kann, zu den sogenannten ,,Kompagmescbweinem\ die bei jedem Appell auffallen und alle drei Tage wegen vollständige-" Veriausung in den Desinfektionskessel gesteckt werden müssen, aber ebensoviel gehören zu denjenigen, die außer der Reihe freiwillig abends nach Dienstschiuß zu baden begehren. Es gibt eine Reihe von Juden die eigentlich im Lager kaum sichtbar sind und die man selbst aufsuchen muß, aber es gibt auch sehr viele Juden, die auch hier nicht davon lassen können, zu schachern. Je strenger das Handeln im Lager verboten wird, desto mehr blüht der geheime Handel, und die Träger dieses geheimen Handels sind zu einem großen' Teil Juden. Es wird, zum Teil unter Umgehung der Kantine und Bezug der Sachen auf allen möglichen Schleichwegen aus der Stadt mit allen nur denkbaren Sachen gehandelt; Hemden, Handtücher, Decken, Zigaretten, Brot Zucker Schmalz, aber auch Uhren, Ringe u. a.^m.^bilden die Artikel die Latrinen am Sonntagnachmittag stellende Märkte dar. Dieses Handeln den Juden bei den Lagervorgesetzten, ganz besonders aber bei den oben erwähnten, ohnehin zum Antisemitismus neigenden

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