Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1915-03-12 · Heft 7 (12.3.1915) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
11 (1914-1915)
Issue
Heft 7 (12.3.1915)
Date
1915-03-12
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3537599-3537746-3537753--3406-3542794
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Jüdische Student 193 zufassen — und Rabbiner in sich zu vereinigen. Zum Heil seiner Gemeinde ist er vor einigen Tagen mit dem ungedienten Landsturm eingezogen worden. Das Niveau dieser Gemeinde wird am besten durch folgende, absolut wahre Geschichte gekennzeichnet: Die Gemeinde Crossen besitzt fünf Thoraroilen. Zu den hohen Feiertagen wurde eine davon ins Russeniager gegeben und blieb canu dort. Eines Tages entdeckte der Vorstehe*- der Gemeinde, daß nur vier Thoraroilen da seien. Auf seine Frage nach der fünften erhält er den Bescheid, die sei noch Im Russeniager. Er fragt weiter, ob sie denn nicht in der Gemeinde gebraucht werde; darauf die Antwort, es seien doch noch vier Thoraroilen da: der Vorsteher: „Aber es sind doch xünf 3ucher Vos;s!:v — — — In diesejüdischen Karpfenteich lebt ein Hecht, und das Ist Moses G a 1 v a r y . bei dem ich reizende Aufnahme gefunden nahe, dessen Verkehr :ch zu meinem größten Bedauern wegen meines Dienstes nicht so pflegen kann, wie ich es gern möchte. Wenn ich irgend etwas von dem Kantor haben wollte, steckte :ch mich :-tets hinterCaiva-y, der dann etwas Dampf dahinter setzte. Daist die eine Abschweifung; die andere betritt die mnU rariscne Seite. Das Präsidium hat ja eine ganze Menge Feldpostbriefe von der Front bekommen, aber wohl nur ganz wenige von Leuten hinter ce~ r~ont. Und doch Hegen h;er die Verhaltmss.: ganz anc^> wie dort. Die gemeinsame Gefahr, die gemeinsamen Entbehrungen, das absolute Aufeinanderangewiesen• sein ,.erwischen in der Front die Unterschiede zwischen den einzelnen; da gibt es wirklich nur Menschen und Kameraden/. Alles das Uli; hier hmter der Front tor:. D;e Unterschiede bischer, Vorgesetzten und Untergebenen lenen wieder auf, wenn auch nicht so sehrwie in Friedenszeiten, well wirja doch a 1 ies schon altere Leute;n zum Teil recht angesehener soziale^ Position sind, und aucn verschieden;e nach dem Temperament des Vorgesetzten, aber doch so rühibao cail manehma; ünannehmhehkeuen herauskommen. Und die Unterschiede zwischen den Gleichrangigen selb-: leben wieder auf. Dabei ist es um vermeidvcm oao auch die alten judenfeindlichen Instinkte hin und wieder erwachen. Nicht als ob die jüdischen Kameraden selbst darunter zu leiden hatten 1 Aber m der Behandlung der russischer! Getangenen hatte ich Öfter Gelegenheit, derartige — sagen wir einmal Unfreundlichkeiten Juden gegenüber zu bemerken und, soweit das ging, zu rügen. Es ist nun mal sr, die Leutchen können nicht aus ihrer Haut: und die Verhältnisse im Lager sind so eigentümlich, daß ihnen eine wirkliche Um gereehtigkeit nur selten nachzuweisen ist. Es bleibt immer nur das Getübu der Zurücksetzung, der instinktiven Abneigung übrig. * Inwieweit das richtig ist, kann zur Zeit nicht erörtert werden, ec

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.