Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 7 (12.3.1915)
- Date
- 1915-03-12
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Srudent 189 gesprochen, wo man Geld hernehmen solle, um die „jüdische Hoffnung" zu bezahlen, ob man sie noch erscheinen lassen solle und wie? Dann wurden auch ab und zu Gelder zur Unterstützung der ^jüdischen Hoffnungsubskribiert, ein Teil der Subskription wurde auch wirklich bezahlt, der andere nicht es wurden Hilfsaktionen für die Zeitung besprochen, vieie Beschlüsse gefaßt, aber keiner ausgeführt was überhaupt hier charakteristisch ist. Auf den Sitzungen können sich die Leute so weit erwarmen, daß sie mit Begeisterung für die schwierigsten Unternehmungen stimmten, Kommissionen wurden gewählt, mit großen Arbeitsprogrammen, und traten nie zusammen. Fast nichts kam über den Beschluß hinaus. Was nicht auf der Sitzung selbst gemacht wurde, wurde nie gemacht. Was mir bald auffiel, war das, daß viel über Mangel an Geld und eventl auch über die Angriffe der gegnerischen Presse, aber nie über zionistische Arbeit gesprochen wurde. Alles zehrte noch davon, daß mal Vorjahren man das Geld für eine Propagandarei'se des damaligen Sekretärs Herrn Gesang aufgebracht hatte und daß dieser dabei Vereine gegründet hatte, von denen die Hälfte Ueberhaupt war fast alles, was an zionistischem Leben noch existierte, durch diesen Herrn geschaffen worden, der mal einige jähre in Deutschland gewesen war und dabei einige Ahnung von organisierter Arbeit bekommen hatte. Allerdings war er selbst so wenig organisatorisch veranlagt, daß ihm die Sache bald über den Kopf gewachsen war und er alles in größter Unordnung zurückließ, als er sich Privatges:häfte halber von der Arbeit zurückziehen muhte. Als ich nun dahinter zu kommen suchte, was eigentlich von zionistischer Arbeit außer dem Herausgeben der Zeitung geleistet würde, sah ich bald, daß die einzige Arbeit darin bestand, einkaufende Nationalfondsgelder auszuweisen, Briefe eventuell im Laufe einiger Wochen zu beantworten und Vereinen, die ausdrücklich carum baten, Propagandaschriften eventuell zu senden. Bei dieser Praxis war ein Verein nach dem anderen selig entschlafen oder aus jeder Verbindung mit dem Comite Central gekommen, sodaß in den Provinzen jedes zionistische Leben erloschen schien. Von irgend einer Initiative war im Comite Central absolut nichts zu merken. Der Vorsitzende, joselevich, ist ein sehr anständiger Mensch und, soweit er den Zionismus versteht, auch ein ganz guter Zionist. Was mir bei den anderen Mitgliedern des Comite von vornherein auffiel war, daß zwei sich bekämpfende Parteien in ihm vertreten waren, die Mitglieder des .^Tifereth Ziorr und die des „Dorsche Zion". Der erste Verein war der ältere und giaubte deshalb stets über dem Comite Central zu stehen, irgend welche Autorität geneß das Comite Central daher fast