Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 7 (12.3.1915)
- Date
- 1915-03-12
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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ISS Der Jüdische Student werden, haben nämlich sehr akzentuierte moralische Defekte. Es fehlt ihnen erstens jeder Sinn für das ideale. Alles wird hier, mehr noch wie in Nordamerika, fast ausschließlich nach Geld- und Geschäftswert abgeschätzt. Mit Geld kann man hier, das ist wortwörtlich zu nehmen, ungestraft morden. Wenn es manchmal den Anschein hat. als ob ideale Bestrebungen hier gepflegt werden, so ist der Beweggrund nur in einer gewissen Selbstgefälligkeit der Argentinier zu sehen. Eine Erwärmung für Ideale ist ihnen fremd. Zum anderen sieht der Argentinier Betrug, Diebstahl. Unterschlagung, solange es keine Gewaltakte sind, nicht als unehrliche Erwerbsmittel an. Z. B. weiß es jeder hier, daß vom Präsidenten bis zum untersten Beamten alles sich an öffentlichen Geldern bereichert. Man hat z. B. drei Präsidenten nachgewiesen, daß sie an-einem Bau? Kongreßgehäude» mit ihren Ministem zusammen 20 Millionen Pesos i54 Millionen Mark) unterschlagen haben. Das ganze Land weiß es. aber niemandeiru-'fäl 11 es ein. die Leutedeshalb geringer zu achten, geschweige denn ernstlich gegen sie vorzugehen. jeder sieht nur zu. auch seinerseits einen Posten zu erhalten, in dem er in gleicher Weise arbeiten kann. Von dieser Gesinnung ist das ganze öffentliche und Gesehäftsleben im Lance getragen, Ein großer "Ten der Juden hat sich, wie schon gesagt, leider nur zu sehr van -den erwähnten argentinischen Fehlem infizieren lassen. Auch sie können sich für ideale schwer nur erwärmen, auch sie haben -ich die Anschauungen der Argentinier über Moral angeeigne:. . . . Buenos Aires, 2. Januar : 914. Im «September 1912 bin ich hierhergekommen. Ich trat sofort mit den hiesigen Zionismen in Verbindung und suchte mich über den Stand der argentinischen Bewegung zu informieren. Im Dezember wurde ich in das Comite Central aufgenommen, um die Korrespondenz in Deutsch zu erledigen. Ich verhieit mich anfangs dort sehr ruhig und beobachtete nur. Was ich von vornherein sah, war. daß von Organisation keine Spur vorhanden war, daß das Comite Central aus Leuten bestand, die zum Teil wenig Ahnung vom Zionismus hatten, zum Teil für die zionistische Arbeit wertlos, zum Teil sogar auch als Menschen werßos waren. Es war ganz willkürlich zusammengestellt. Es bestand außer dem Präsidenten joselevich aus ein paar sogenannten Sekretären und aus den Vertretern der Vereine^ d. h. man hatte den Vereinen; geschrieben, daß die und die Herren sie im Comite Central vertreten würden. Diese sogenannten Vertreter, standen in absolut keinen Beziehungen zu ihreh"-Vereinen, ja wußten nicht einmal, ob die betreffenden Vereine no^.^nstierten. Auf allen Sitzungen wurde nur davon