Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 6 (23.1.1915)
- Date
- 1915-01-23
- Page
- [Seite] (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3537599-3537746-3537752--3393-3542780- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Judische Student 181 Der Nachwuchs unserer Korporation ist naturgemäß nicht dem in normalen Zeiten zu vergleichen. Wahrend des Krieges konnten wir in einem Rumpfkonvent, an dem auch ein hier weilender verwundeter Bundesbruder teifcahm, exp. Alfred M e n d e1 zum Fuchsen derVerbindung rezipieren. Gegenwärtig bewerben sich zwei Hospitanten um die Aufnahme in die Verbindung* Bemerkenswert ist, daß der auf dem „Waidhofner Prinzip" stehende Verein „Hohenstaufen" in einem Brief an uns herantrat, wir sollten der „Akademischen Vereinigung 1914", welche allgemeine Fürsorgezwecke für verwundete uvA invalide Akademiker verfolgt und mit Erreichung des Ziels wieder aufgelöst werden soll, beitreten. Wir waren der Sache gegenüber» da die Vorverhandlungen von Waidhofenern geführt wurden, sehr mißtrauisch und traten erst nach langen Beratungen mit den Vertretern der übrigen jüdisch-nationalen Studentenschaft, ebenso wie diese selbst, und nach Zusicherung unserer vollen Unabhängigkeit und selbständiger Arbeit von Seiten des Rektorates, bei. A n t a 1 Semesterbericht des V.J. St.-er-Kriegsstammtischs Frankfurt suO. Daß unser Semesterbetrieb anders war als in gewöhnlichen Verbindungen, ist ja leicht zu verstehen. Denn während sonst das Verbindungsleben die Hauptsache ist und das Studium etwas, ich will nicht siigen, Nebensächliches, aber doch etwas ist, das man nachholen kann, muß hier der Verbindungsbetrieb ganz hinter das Mih'tärleben zunicktreten. Ein Siammtischab^nd z, B. entschuldigt nicht das Fehlen bei einem Nachtmarscb u. s. w. Aber trotz dieser Schwierigkeiten — diesmal keine bloße Redensart — können wir mit dem Semester sehr zufrieden sein. Die Bundesbrüder lernten sich hier viel näher kennen, als es sonst je der Fall war, nirgends war und ist der Verkehr zwischen Alten Herren und jüngeren so innig wie bei uns. Heitere und ernste Tage haben wir verlebt, Abende voll ausgelassener Fröhlichkeit wechselten mit Abenden, an denen wir uns ernst über die durch den Krieg neu aufgerollten oder in den Vordergrund gerückten Fragen unterhielten; nirgends habe ich sokhe ernst jüdische Begeisterung wie bei uns gesehen, Leider hat derselbe Krieg, der uns zusammengeführt hat, auch oft unser Zusammenleben gestört So wurden bald Kurt Gohr fV. J. St Hasm, u. Ruder- V. J. St L a. B.) und Kurt Fröhlich V. J. St. Breslau u. Ruder-V. j. St. i, a. B.) abberufen, nachdem sie zu Feidunterärzten befördert waren. Wenige Wochen darauf folgte auch Benno Orzcbinasch (V. J. St. Königsberg A. HX der ins Feld nach dem Westlen gehen mußte. Auch Rothmann (VJ.StMa. u. Ruder-V.J. Sf. L a. B. wurde uns untreu und waltet jetzt als wachthabender Arzt im III, Reservelazarett in Jüterbog. A. H. Moritz B i 1 e s k i * V.J. St Ma., V\ J. St. Ruderabi. A. H.} zog kurz darauf stolz zu Roß — ein wegen seiner hervorragenden Eigenschanen bemerkenswerter Schimmel — nach Belgien Das größte Herzeleid bereitete uns aber A. H. Felix Ro senb!üth, indem er um den Rücken wandte und stammtischgründend nach Jüterbog fuhr. Sem Verlust war uns ein doppelter. Mit ihm veriäS? uns nämlich seine ihm am 16. August 19!4 im Hotef „Prinz von FreuS^n4" zu Frankfurt a. O. kriegsangetraute Gemahlin Annie Rosenbiüth, geb. Lesser. Auch ihr Name wird, solange man von Frankfurter Kriegs-V. J. Sf.-em spdcht, nicht vergessen werden. Kurz vor der Abreise des A. H, Rosenbiüth war uns vom Bez.-Kom, A- R Stein zur Einarbeitung in seinen späteren Beruf als Mittelpunkt überwiesen. „Dabei entwickelt« aber vgl 2. Makkabaerrundsckreiben} das Bezirkkommando eine sonderbare Geometrie, indem sie den Mittelpunkt weit außerhalb der Peripherie veriegie^ A. H. S t e i n (V. J. St Ma. u. Ruder- VJ. St) wurde nämiich nach kaum begonnener Ausbitdung feldgrau singe-