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Der jüdische Student · 1914-11-01 · Heft 5 (1.11.1914) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
11 (1914-1915)
Issue
Heft 5 (1.11.1914)
Date
1914-11-01
Page
[Seite] (sequence 29)
Language
German
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116 Der Jüdische Student dortigen Maccabim (Turner) Barlauf gespielt, und sie haben uns durch ihre Leistungen beschämt. Wie klang es, wenn wir im Takt marschierten unter dem Kommando: chad, chnaim (eins, zwei)! Eins haben wir dort gelernt: daß nicht die Hoffnung uns hilft und das Geldgeben, sondern die Arbeit, die dort auch der geringste vollbringt. Die, Menschen, vor allem die Arbeiter, die Gymnasiasten und die Lehrer, arbeiten so hingegeben, so voll glühender Begeisterung, wie das eben nur in und für Palästina möglich ist. Hier empfangt in der Tat unser ganzes jüdisches Leben einen neuen tieferen Sinn; hier wurde Pessach, das wir mitfeierten, zum wirklichen Fest der Befreiung aus der Knechtschaft, denn man arbeitet hier an der Befreiung. Es war ein guter Gedanke, die Chagiga in Rechoboth, das Fest der Wtettkämpfe, der Spiele und Rennen, zu dem tausende aus dem ganzen Land fn Rechoboth erschienen waren, auf den letzten Pessachtag zu legen. An diesem Tage fühlten wir so ganz, wie innerlich verwandt die nationale Jugend ist, mag sie aus Rußland, Yemen oder Deutschland stammen. Gewiß sind in der eisten Generation große Unterschiede da, aber schon in der zweiten Generation gibt es keine deutschen oder russischen Juden mehr, sondern nur noch Juden. Denn das ist das größte Erlebnis, das das Land bietet: daß man dort so Jude ist, wie hier der Deutsche Deutscher, und zwar freier Jude, Herr des eigenen Bodens, der eigenen Sprache. Nicht, daß man dort abgeschlossen lebte von der Kultur: die Gymnasiasten lesen Faust in deutscher Sprache; man treibt Mathematik und jede Wissenschaft wie überall; aber die Sprache ist hebräisch, und im Geschichtsunterricht lernt man jüdische und allgemeine Geschichte. Man versteht es in Palästina auch froh zu sein; ich habe noch nie mit solch naiver Freude alt und jung, Lehrer und Schüler Arm in Arm tanzen sehen nach selbsgesungener Melodie, Hora und Rondo. Dazu trinkt man den feurigen, süßen Wein, den Palästina schon heute an die ganze Welt liefert. Am schönsten und freiesten ist die Stimmung in den kleinen Dörfern, die am schwersten zu kämpfen haben, während die großen Kolonien zum Teil schon recht wohlhabend sind. Ueberall aber ist die Jugend an der Arbeit, das Werk zu vollbringen. Wir haben wochenlang bei den Bauern gewohnt und haben uns mit ihren Lebensgewohnheiten vertraut gemacht. Gewiß gibt es dort brennende Fragen genug, wir sind nicht durch Potemkinsche Dörfer gereist, sondern haben viel von den schweren Kämpfen erfahren. Keine Frage aber existiert dort, die nicht durch Fleiß und Energie im Lande gelöst werden könnte; das wurde uns zur Gewißheit. Wenn die idealistische, mutige jüdische Jugend so weiter arbeitet, wird das Ziel erreicht werden. Wir haben schon heute diese untrügliche Gewißheit und die Erkenntnis, daß eine freie, begeisterte Jugend wieder an ihre Helden glauben gelernt hat und wieder auf eigenem Boden kämpfen kann, gibt uns das Bewußtsein, daß unser Weg der richtige ist

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