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Der jüdische Student · 1914-11-01 · Heft 5 (1.11.1914) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
11 (1914-1915)
Issue
Heft 5 (1.11.1914)
Date
1914-11-01
Page
[Seite] (sequence 28)
Language
German
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Der Jüdische Student 115 Eindrucke von unserer zweiten Palästinareise (Frühjahr 1914) Von Walter Preuß (Maceabaea), Berlin, z. Zt. Kriegsfreiwilliger Zum zweiten Male sind wir jüdischen Wanderer aus Palästina zurückgekehrt. Wir habfn Wochen verlebt, viel tiefer als je auf einer Reise. Wir waren in keinem 'fremden Lande, dessen Naturschönheiten wir bewunderten, dessen Menschen uns aber fremd blieben, sondern wir fanden dort Menschen, mit denen uns der gleiche Lebensinhalt verband. Die Einheit des Empfindens, die alle Juden dort beseelt, das angespannte Erwarten der neuen Zukunft formte diese Wanderung zu einem großen Erlebnis. Wir freuten uns alle an der Landschaft, die in südlicher Schönheit prangte, an den schroffen Felsen und dem leuchtenden Meere, dessen Küsten von den Düften der Bojaren gefächelt werden. Uns umfingen Nächte auf dem leise strömenden Jordan, in denen wir unsere ganze stolze Geschichte zu durchleben meinten, Abende, in denen wir mit den Schomrim durch die Felder und Steppen ritten, unter dem unsagbar klaren Sternhimmel, an den Zelten der Beduinen vorbei. Hinter uns la^en violett in tiefen Schatten die Berge Judas; wir sangen Lieder voll Hoffnung und Mut, Vieles kaum Geahnte erschloß uns die Natur dieses Landes. Aber nicht die Freude an der Landschaft ist das Motiv, das in uns heute nachklingt Wohl haben wir überraschendes Verständnis für das Land gewonnen; viel stärker aber, ungeheuer ist das Erlebnis, das wir im Erwachen dieser Menschen, unseres Volkes fanden, in der Glut der Menschen, die wissen, daß sie für die Freiheit kämpfen. Denn das ist die Erkenntnis, die uns mit solcher freudigen Zuversicht erfüllt, daß dort eine Stätte ist, in der das Judesein wieder zu ganzer Reinheit, zu dem ursprünglichen Adel emporlebt. Es ist das natürlich auf dem Boden, der noch heute von uralten Liedern wiederzutönen scheint. In diesen weichen Hängen, in diesen trotzigen Bergen klingt die Milde Ruths, das jauchzen Deborahs wieder; nebeneinander liegen die Stätten, wo heute das neue Volk arbeitet, wie Merchawja und jenes Sunem, wo die stille Abisag geboren war. Auf demselben Boden, wo Saul und der wilde Jonathan kämpften, reitet und kämpft heute wieder jüdische Jugend. Es muß ein einzigartiges, seit Jahrtausenden neues Erlebnis gewesen sein, als Rothschild durch die Ebene Israel zog, begleitet von über 500 Schomrim mit blinkenden Waffen auf feurigen Araberpferden. Ueberall fühlten wir uns mit dieser Jugend eins und verstanden uns sofort, denn wir waren eins in dem Willen, durch Taten aufzuräumen mit all dem Theoretisieren und bleichen Stubenhocken vieler Jahrhunderte. In allen Ländern weiß die nationale jüdische Jugend heute, daß uns Freiheit und Luft Idealismus und Stählung des Körpers fast nötiger ist als das Brot Und die Jugend Palästinas ist uns darin Beispiel; sie liebt und durchwandert das Land, dessen Boden sie erobert, aber sie diskutiert nicht darüber, wie es früher geschah, sondern schließt sich zusammen in Turnvereinen, zu Wanderungen und zu Spielen. Unter den Palmen Haifas am Meere haben wir gegen die

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