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Der jüdische Student · 1914-11-01 · Heft 5 (1.11.1914) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
11 (1914-1915)
Issue
Heft 5 (1.11.1914)
Date
1914-11-01
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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Der Judische Student IM veranstalteten als Abschluß des Sportbetriebes interne Wettkämpf e t von denen besonders die Berliner viel Beifall fanden. Ihr Programm und ihre Ergebnisse sind unten abgedruckt; man kann daraus am besten ein Bild davon gewinnen, was wir erstrebten und was wir erreichten. Es sind im ganzen recht annehmbare Leistungen. Der Sportzweig, den wir zuerst von Korporationswegen gepflegt haben, das Rudern, hat neben den neuen Interessen nichts von seiner alten Bedeutung verloren. Aus den laufenden Mitteilungen der Ruderabteilung ist zur Genüge bekannt geworden, welche starken Vorzüge gerade dem Rudern innewohnen; daß dieser Sport ganz besonders zur Selbstbeherrschung und Standhaftigkeit, zur Anspannung aller Kräfte und zum Einfügen in die Gesamtheit zwingt; daß er besondere Gelegenheit gibt, der böswilligen Kontrolle eines antisemitischen Sachverständigen-Publikums standzuhalten und ihm die Gleichwertigkeit oder Ueberlegenheit der jüdischen f lagge zu beweisen. Es ist ferner bekannt, welche außerordentliche Bedeutung die ein- und mehrtägigen, oft auch mehrwöchigen Wanderfahrten für unsere Ruderer gewonnen haben, die sie, in engstem Zusammenleben und völliger Ungebundenheit immer wieder die unendliche Fülle der Natur bewundern lehrten. Hier berührt sich das Rudern mit dem Wandern, das wir ebenfalls neuerdings als regelmäßige Veranstaltung in allen Korporationen eingeführt haben. Wir machen keine Spaziergänge mehr, sondern gehen, zweckmäßig ausgerüstet, um auch rauhem Wetter trotzen zu können, auf die Wanderung. Wir singen Wanderlieder, kochen selbst at4 und lernen uns freizumachen von „Kulturbedürfnissen", die manchem früher so unentbehrlich schienen. Die Schlichtheit des Empfindens, welche das Wandern lehrt, geht neben der Erweckung der Empfänglichkeit für die Pracht der Natur, die auf jeder Wanderung Neues zeigt, die auch vertraute Stellen immer mit neuen feinen Reizen bekleidet Wie werden auf jeder Fahrt die Geister erfrischt, die Sinne geschärft und die Körper gehärtet, und weiter — das ist nicht der geringste Wert der sonntäglichen Wanderungen — es werden die Bundesbrüder, die nicht am Orte ansässigsind, den Gefahren des Sonntags, besonders des großstädtischen, entzogen! Es ist selbstverständlich, daß sich bei diesen Beschäftigungen das übliche Bild studentischen Verbindungslebens in gewisser Weise ändern muß. Die alte Ruder*Abteilung ist eine selbständige Korporation geworden, die alie ihre Veranstaltungen um den Ruder4betrieb gruppiert. Aber auch die anderen Korporationen, die ihren Charakter beibehalten, müssen natürlich ein verändertes Bild bieten, wenn alisonntägiich eine gemeinsame Wanderung alle Bundesbrüder hinausführt oder wenn zwei Nachmittage in der Woche bei sportlicher Tätigkeit vergehen.

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