Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 5 (1.11.1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student Wolffsohn war sich seiner Stellung als Führer bewußt Er verband mit einer glänzenden Rhetonk — die sich auch erst zeigte, nachdem er an die Spitze der Bewegung getreten war — eine natürliche Würde des Auftretens, aus der seine Führernatur hervorleuchtet. Er hat in der Kunst zu repräsentieren sicher viel von Herzl gelernt, aber eben nur so viel, als man davon lernen kann. Die Fähigkeit zur würdigen Repräsentation muß in der Persönlichkeit liegen. Die Bedeutung seiner Stellung verlieh ihm ein starkes Selbstbewußtsein. Er forderte von seinen Gesinnungsgenossen Anerkennung seiner Stellung und Disziplin.. Seine Auffassung von Disziplin stammt aber nicht erst aus seiner Führerstellung. Von jeher bewies er durch seine unbedingte Unterordnung unter Herzl, daß er auch für sich die Notwendigkeit der Disziplin anerkannte. Ich erinnere mich einer für seine Auffassung charakteristischen Rede aus dieser Zeit. Es war nach der Aktionskomiteesitzung, die der Charkower Konferenz gefolgt war. Wolffsohn kam, auf seiner Heimreise aus Wien, mit Oskar Marmorek und Katzenelson durch Berlin. Zu Ehren der drei Gäste veranstaltete die Hasmonaea einen kleinen Kommers, zu dem nur die nächsten Freunde eingeladen waren. Der kleine verräucherte Raum, in welchem die damals noch schwache Verbindung tagte, war überfüllt Es war durchaus kein bequemer und luxuriöser Aufenthalt, und doch, glaube ich wird jedem Teilnehmer dieser Veranstaltung der Abend — oder war es die Nacht — unvergeßlich bleiben. In der Fidulität mußte „Herr Wolffsohn aus Cöln" als jüngster Fux die anderen bedienen. Er tat es mit gutem Humor ~ wie er ja überhaupt prachtvoll lachen konnte. Es wurde damals auch viel gelacht, besonders über eine extemporierte Diskussion zwischen Gronemann, Unna und Felix Jacobsohn. Damals sprach Wolffsohn über Disziplin: „Mancher unserer Freunde würde nicht verstehen, wie ich .hier auf Kommando trinke, singe, spreche und schweige. Alles auf Befehl. Aber in diesem Scherz Hegt ein tiefer Ernst. Wir müssen lernen, auch in den kleinen Dingen zu gehorchen, uttd wenn hier jüdische Studenten zu diesem Gehorsam erzogen werden, so ist auch das eine wichtige jüdische Erziehungsarbeit." Damals war er noch nicht Präsident und niemand dachte daran, daß er es je werden könnte. Oder doch, einer dachte daran — Herzl. I Er, der Wolffsohn kannte wie kein anderer, zeichnete ihn? in seinem David Littwak in Altneuland. David Littwak, der bettelarme, litauische Judenjunge, der der Führer des befreiten Judenvolkes wird. Wolffsohns Schicksal ist ja nicht das des David Littwak gewesen. Aber es gab in seinem Leben Augenblicke, in