Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 4 (10.7.1914)
- Date
- 1914-07-10
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Der Jüdische Student 77 unserer Erziehung hat es sich gehandelt. Seitdem hierüber im Kartell Einmütigkeit herrschte, seitdem man sich darüber klar war und es auch allgemein auszusprechen wagte, daß unser Programm — so wie es ist — zionistisch ist, daß unsere Arbeit im zionistischen Sinne geleistet werden kann, daß unsere Erziehungsmethode geeignet sein muß, unsere Aktiven zu Zionisten zu machen, seit dem Momente hörten die Tendenzkämpfe auf, beschäftigten wir uns nicht mehr mit unserem Programm. Wir dachten kaum an unser Programm und hatten nicht nötig, daran zu denken. Erst ]eizt} durch die Fusionsverhandlungen, ist die Programmfrage wieder in den Vordergrund gerückt worden. Durch die Fusionsverhandlungen hat mit einemmal die Programmfrage eine Bedeutung bekommen, die ihr an sich nicht zukommt: denn kaum einer von uns, die wir im B. J. C-er »Leben stehen, wäre auf den Gedanken einer Prograrnmändetung, gekommen ohne das Motiv einer Fusion mit dem K. Z. V. Der Bund soll also unser altes B.j. C.-Programm behalten. Die K. Z. V.-Korporationen nehmen unser Bundesprogramm an und als Zusatz ihr Programm oder einen anderen Absatz, der ihren zionistischen Charakter zum Ausdruck bringt. In dem Bundesstatut befindet sich ein Hinweis, daß die und die Korporationen zionistisch sind. Ist nun durch diese Regelung die Einheitlichkeit des Kartells gefährdet? Dazu ist zu bemerken, daß wir uns mit der Mehrzahl der K. Z. V.-er über die Art unserer Arbeit einig sind, daß die K. Z. V.-er insbesondere — Egon Rosen berg hat das mehrfach betont — den Wert unseres Erziehungsprogrammes eingesehen haben. Und da wir uns über den Sinn und die Methoden unserer Arbeit mit den neuen Bundesbrüdern durchaus einig sein werden, so wird die Programmfrage wieder soweit in den Hintergrund treten wie in den letzten Jahren: niemand wird bald mehr» an die Regelwidrigkeit denken und sie bald nur als etwas historisch zu erklärendes auffassen, zumal die Neugründungen mit unserm alten Programm gemacht werden. Dazu kommt noch, daß unser altes Programm tatsächlich zionistisch ist, denn wer entschlossen ist, an der Entwicklung eines lebendigen Judentums mitzuarbeiten, muß zum Zionismus kommen. Das Bundesprogramm wird also in keinem Gegensatz zu dem zionistischen Zusatz der bisherigen K.Z.V.¬ Korporationen stehen, sondern der Unterschied ist nur der, daß das Bundesprogramm lediglich das Aufnahrnesiatut darstellt, die Voraussetzungen der Aufnahme statuiert, über das Ziel der Erziehung aber nichts sagt, während die K. Z: V.-Korporationen in einem Zusatz das (auch von uns anerkannte) zionistische Erziehyngsideal aufstellen, Es ist auch nicht zu befürchten, daß die K. Z. V.-Korporationen sich als die besseren Zionisten ansehen werden; denn das haben sie auch in der letzten Zeit schon nicht mehr getan. Die Beibehaltung des alten Programms