Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 4 (10.7.1914)
- Date
- 1914-07-10
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Präsidiumsbericht i. Das Ergebnis der Rundfragen Der ersten Sondernummer des J. St. lag ein Fragezettei bei, auf dem sich die Bundesbrüder zur Fusionsfrage äußern sollten. Knapp die Hälfte aller V, J.St-er ist dem Wunsche des Präsidiums nachgekommen. Die Rundfrage hät kaum neue Gesichtspunkte zu Tage gefördert, aber sie hat doch die Stimmung des Kartells deutlich erkennen lassen. Als Ergebnis der Rundfrage kann man zunächst konstatieren, daßdieweiiausüber- . wiegende Majorität für eine Fusion mit dem K.Z.V. i s t. Was die Modalitäten der Fusion betrifft, so hat sich die Majorität für ein den Zionismus umschreibendes Programm, in dem also das Wort „Zionismus*4 vermieden werden sollte, ausgesprochen. Als Begründung für die Verwerfung des Wortes Zionismus wurden einmal Keiirücksichten angeführt, insbesondere aus West- und Süddeutschland, sodann aber hatte* ein ganz erheblicher Teil der Bundesbrüder die Befürchtung, daß wir bei Annahme eines ausgesprochen zionistischen Programms unsere Unabhängigkeit gegenüber der zionistischen Organisation verlieren und etwa ein Anhängsel der zionistischen Partei werden könnten. Nur eine geringe Anzahl der Bundesbrüder war auch für eine Fusion mit einem ausgesprochen zionistischenProgramm zu haben. Eine entsprechende Rundfrage fand gleichzeitig auch im K Z. V. statt Auch dort äußerte sich die überwiegende Majorität in einem der Fusion günstigen Sinne. Bemerkenswert ist, daß einige Fusionsgegnjer ihre Stellungnahme damit begründeten, sie wollten nicht, daß;die „radikale" Richtung der V. L St-er Einfluß aufs K. Z. V. gewinne. In der Programmfrage nun nahm die Majorität insbesondere der älteren K. Z. V.-er den Standpunkt ein, daß es nicht angängig sei, das Wort Zionismus aus dem Programm zu streichen. Die Begründung dieses Standpunktes ergibt sich aus dem unten abgedruckten Schreiben des K Z. V.-Präsidiums. Es wurde dann zwischen einzelnen Mitgliedern der beiden Präsidien fortgesetzt verhandelt. Aber beide Teile beriefen sich immer wieder auf die Stimmung im Kartell, die ein weiteres Nachgeben in der Programmfrage verbiete. So standen wir wochenlang wie die beiden Königskinder an den beiden Seiten eines Grabens, genannt Programmfrage, und konnten zueinander nicht kommen, trotzdem wir dauernd unsern guten Willen beteuerten. Am Abend des 13. Juni fand in Leipzig die angekündigte V. J. St.-er Zusammenkunft und Besprechung der Fusionsfrage IL Die Tagung