Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 3 (25.6.1914)
- Date
- 1914-06-25
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3537599-3537746-3537749--3255-3542639- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
70 Der Judische Student nicht zu erwarten, da die Anforderungen des Korporaiionsbetriebes zu groß waren und durch Pflichten gegenüber der Turnerschaft und Wanderbewegung vermehrt wurden. Auch sehr interessierte Bundesbrüder hatten der Doppelstellung als jüdische Korporationsstudenten und Ruderer nicht genügen können. Sie konnten im besten Falle eine ganz unregelmäßige Beteiligung am Ruderbetriebe fertigbringen, so daß wir gegenüber unserer friedlichen Konkurrenz, dem in ständigem Aufstieg begriffenen Jüdischen Ruderklub Ivria* immer mehr zurückkommen mußten und auch die Leistungen nicht aufweisen konnten, die aus allgemeinsportlichen Gründen mit' zunehmendem Alter von uns verlangt werden. Wir erkannten, daß wir, wenn wir uns nicht auflösen wollten, die Frage nur durch Vereinigung des Korporationsbetriebes mit dem Ruderbetriebe beantworten konnten, also indem wir der R.-A. selbständigen Korporationsbetrieb gaben. Alle Sachverständigen waren mit uns der Ansicht, daß es nur diese beiden Möglichkeiten gä^e. Wir entschieden uns trotz der Bedenken, die auch in unserem Kreise sehr wohl erkannt wurden, für dse Verselbständigung. Ich verzichte darauf, jetzt, nach geschehener Tat, auf die zahlreichen Argumente einzugehen, die uns entgegengehalten wurden und zeitweise in den Berliner Vereinen eine recht verschiedenartig motivierte Mißstimmung gegen uns hervorriefen (die sich allerdings inzwischen in Freundschaft ynd Anteilnahme gewandelt hat). Ich begnüge mich damit, die positiven Gründe, die uns zur Erhaltung der R.A. vrranlaßten, anzudeuten. Der B.J. C. hätte durch den Verlust der R.-A., die immer sehr starke Sympathien Außenstehender erweckt hat eine schwere Schädigung setmx propagandistischen Wirkung erlitten; dieses Moment, das sich seit jeher besonders gegenüber dem K. C, bemerkbar machte, war um so erheblicher, als nach fortgesetzten und bestimmten Mitteilungen in BerJin der K. C in Kürze eine Ruder-Organisation schaffen will. Die selbständige R.-A. hat dagegen unzweifelhaft sfhr starke Keilmöglichkeiten bei sportlich interessierten Fuxeti, die in der R.-A. die jüdische Sportvereinigung, nichtdie ihnen häufig unsympathische studentische Verbindung sehen können. Ein Aufgeben der R.-A., die zuerst und mit vollem Erfolg den Gedanken der Erziehung durch gemeinsame Uebung des Körpers und Erweckung des Sinnes für Natur und natürliches Wesen im B.J. C durchgeführt hat, empfanden wir gerade jetzt als eine Schwäche, wo überall, und besonders im B. J. C, das Interesse für diese Art der Erziehung so stark geworden ist Die neue Form befähigt uns zur Erzielung der notwendigen spoi fliehen Leistungen. Vor allem sehen wir den Wert der R.-A. in den Dingen, in denen sie sich bisher bewährt hat und in Zukunft noch stärker wird wirken können. Alle Bundesbrüder, die der R.-A. nennenswerte Zeit angehört haben, sind gute V.J. St-er geworden. Das enge Zusammenleben, die gemeinsamen Erlebnisse, die Anforderungen, die an jeden Einzelnen gestellt werden und eine intensive Teilnahme herbeiführen, bieten ganz besonders starke Möglichkeiten der Beeinflussung, die eine Selbstverständlichkeit der jüdischen