Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 2 (30.5.1914)
- Date
- 1914-05-30
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537746-3537748--3212-3542595- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
30 Der Jüdische Student dagegen hatte ein ausgesprochenes Parteiprogramm. Es ist nicht leicht, einen Ausgleich zu finden. Das K. Z. Vwill das Wort „Zionismus" aus immerhin erklärlichen Gründen aus seinem Programm nicht streichen, wir möchten dieses Wort in unser Programm nicht aufnehmen, denn wir halten es aus keiltaktischen und anderen Gründen für verfehlt, in das Programm einer studentischen Korporation die Bezeichnung einer Partei aufzunehmen, die im Mittelpunkte heftiger Kämpfe steht. Alle andern Fragen treten hinter dieser Schwierigkeit zurück, Ueber Namen und Organisation wird man sich schon einigen. Wir werden unter allen Umständen darauf bestehen, daß der Name „V. J. SL-er" der für uns hohen Traditionswert besitzt, unter allen Umständen erhalten bleibt. Einiges andere werden wir vielleicht aufgeben oder vielmehr von jenen annehmen Rüssen; aber Gefühlsgründe — die wir gewiß zu schätzen wissen — müssen unter Umständen zurücktreten; denn das haben wir ja immer betont, daß für uns die Korporation und das Korporative nicht Selbstzweck ist, sondern nur Mittel für höhere Zwecke. IV. Die Verschmelzungsverhandlungen sind in der Weise angeknüpft worden, daß einige K. Z. V.-er — es waren vor allem „Blau-Weiße*' — sich an unser-n A. H. h. c. W e i ß e r. b e r g wandten. Weißenberg machte dem Präsidium Mitte lung und einzelne Mitglieder des Präsidiums verhandelten nun teils durch Dr. Weißenberg, teils direkt mit einzelnen K. Z. V.-err*. Diese Verhandlungen ergaben, daß jedenfalls in Berlin große Stimmung für eine Verschmelzung vorhanden sei. Dr. Weißenberg berief dann für Sonnabend den 23. Mai eine Sitzung ein, an der von beiden Verbänden 10-Vertreter teilnahmen, von unserer Seite das Präsidium sowie die A. H. Z! o c i s t i, Z w i r n und Felix R o s e n b 1 ü t h. Die Sitzung dauerte bis 4 Uhr morgens; es wurde fast ausschließlich die Programmfrage erörtert. Von unserer Seite wurde schließlich ein Programm vorgeschlagen, das die Idee des Zionismus umschreibt, ohne jedoch das Wort zu gebrauchen. Die K. Z. V.-er machten gerade die Erwähnung des Wortes zur condito sine qua non. Sie kamen nur soweit entgegen, daß sie die zionistische Gesinnung auch nicht mehr als Aufnahmeerfordernis, sondern nur als Endziel der Erziehung