Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 8 (Dezember 1919)
- Date
- 1919-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus den Korporationen 371 begnügt und es vorgezogen, ihr Ansehen und das des Staates im Auslände einstweilen «nur auf diese Art zu untergraben, ohne aber für immer darauf zu verzichten, auch in Wien die Judenfrage auf „polnische Art" zu lösen. Die Pogromgefahr ist leider noch nicht gänzlich gebannt. Zu Beginn des Inskriptionstermines an der Universität für Ausländer ^- Nicht-JDeutschösterreicher —eröffneten wir in der Aula der Universität Im »Einverständnis mit dem Jüdischen HochschuJausschuß eine Auskunftsstelle, die einige Tage ganze Arbeit machte — bis sie, was hier in Wien nicht verwunderlich erscheint, der Rektor verbot. Er war trotz unserer Intervention von seinem Standpunkte nicht wieder abzubringen. Im Jüdischen H o c h s c h u 1 a u s s c h u s s e (J. H. A.), dessen Präses Bbr. Hermann Lildenfeld ist „und der dank der wirklich glänzenden Leistungen ülienfelds zu einer mächtigen und einflußreichen studentischen Organisation ausgebaut wurde, betätigen sich, wo immer Arbeitskräfte gebraucht werden, Kadimahner. In den Ausschüssen der einzelnen Fachvereine — Jüdischer Juristenverein, Jüdischer Medizinerverein etc. etc. —. die die Grundpfeiler des j.H. A. sind, sind auch überall Kadimahner vertreten; der beste Beweis für unsere rege Tätigkeit und unsere überragende studentische Stellung ist wohl die Tatsache, daß auf den Listen zu den allgemeinen Wahlen in das Studentenparlament — die übrigens auf unbestimmte Zeit vom Rektorate verschoben wurde — zwei Kadimahner an erster Stelle stehen; es sind dies Bbr. Jakob W ein er auf der Inländerliste und Hermann Lilienfeld auf der Ausländerliste. Auch an dem sonstigen politischen Leben sind wir stets beteiligt; bei den Nation alrats wahlen und bei den Wahlen in den Wiener Gemeinderat im vorigen Semester hatten Kadimahner teils als Leiter großer Agitationsbureaus (A.fl. Ing. Eugen Buchbinder, Bbr. Rudolf Philipp und Bbr. Jakob Weiner) teils als Agitatoren und Redner in Versammlungen oder durch Besuche bei den Juden der einzelnen Bezirke ■ Teil an den erzielten schönen Erfolgen. Dem Zionistischen Landeskomitee gehören außer "unserem A. fi. Dr. J. Schalit noch die aktiven Kadimahner Dr. Felix Mandl und Jakob Weinert an, dieser als Vertreter der Studentenschaft und Parteisekretär. Diese kurze Darstellung unserer Tätigkeit im jüdischen Leben wird Euch wohl zur Genüge dartun, daß wir nicht nur an fast allen Regungen des öffentlichen Lebens mitbeteiligt sind, sondern daß wir überall in erster Reihe stehen. Ueber unser Verhältnis zu den anderen jüdischen Verbindungen ist nicht viel zu sagen. Trotzdem hier fast alle jüdischen Verbindungen im Verbände zionistischer Verbindungen vereinigt sind, gibt es nur wenige gemeinsame Aktionen und fast keine Berührungspunkte, die eine Annäherung ermöglichen würden. Jetzt unternimmt der Verband zionistischer Verbindungen Schritte, die uns das Recht des Farbentragens auf akademischem Boden wiederbringen wollen, doch besteht wenig rioffnung auf Erfolg. Der Kampf um das Farbenrecht ist heute für uns nur im Prinzip mehr von Bedeutung, denn wir legen wirklich nicht viel Wert darauf, unser Band beim Samstag-Bummel tragen zu dürfen; aber wir wollen uns auch nicht durch einen Erlaß des Rektors, der das Recht des Farbentragens nur „deutschen" Verbindungen zuspricht, zu akademischen Bürgern zweiter Klasse her abdrücken lassen. Einzelne Verbindungen, die heute um das Farbenrecht kämpfen — und ich weiß nicht, ob die Kadimah sich diesen nicht anschließen dürfte —, haben die Absicht, nach Erlangung ihres Rechtes dem Rektorate die Mitteilung zu machen, daß sie die Farben ablegen. Nun muß ich auch unserer Innen arbeit gedenken, die, obwohl hier erst an letzter Stelle erwähnt, keinesfalls auch in unserem Programm