Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Oktober 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Ringbildung 247 Auf unsere Frage, warum diese Angelegenheit nicht wie üblich zunächst im J. St. behandelt worden sei, wurde uns geantwortet, daß •man bis zum Erscheinen des J. St. nicht warten könne. Aber die Ringanhänger hielten es für richtig, in einem Rundschreiben vom 26. Augf. — also eine Woche nach Beginn dieser den Bestand des Kartells gefährdenden Aktion — an die Organisationen des K. J. V. die Bitte zu richten, daß mit der Beschlußfassung gewartet werden sollte, bis der V. J. St. Berlin und die V. J. St. Zephirah in einem Rundschreiben Programm und Durchführung. der Ringbildung dargelegt Jhaben würden. Diese Aufforderung, ebenso wie eine Aeußerung von Walter P i n n e r, einem Befürworter der Ringbildung, auf einer folgenden Sitzung des Präsidiums gaben zu, daß die Begründung für diese Unternehmung, an der teilzunehmen das ganze Kartell aufgefordert worden war, erst nach geraumer Zeit nachgeliefert werden sollte. Das angekündigte Programm ist Mitte September versandt worden. Zur Zeit als die Zephirah ihren Beschluß faßte, erschien ein j. St., die nächste Nummer wurde Anfang September versandt. In keiner der beiden Nummern machten die Leiter der Ringaktion, die zur Abfassung von Rundschreiben jederzeit bereit waren, von der Möglichkeit Gebrauch, dem Kartell ihre Meinung zu sagen und ihr Material zur Beurteilung zu übergeben. ' Unter diesen Umständen vergleiche man die Erklärung, daß der J. St. zu spät erschien, mit der Tatsache, daß die Bundesbrüder inzwischen ihre Rundschreiben an einen Kreis Auswärtiger richteten und eine umfangreiche Werbearbeit begannen, daß sie ferner sich auf Material beriefen, dessen Einsicht sie schließlich verweigerten. Ueberhaupt stützte man sich mit Vorliebe auf schwer zu prüfende Begründungen. Zuerst behauptete man, das Präsidium sei zu optimistisch, es sei einseitig über das Kartell orientiert, und berief sich hierfür auf bestimmte Vorgänge in einzelnen Verbindungen (Bonn, Göttingen). Als man sah, daß die Informationen des Präsidiums doch nicht so oberflächlich waren urXd jederzeit offen gelegt würden, exemplifizierte man nicht mehr auf bestimmte Vorgänge, berief sich aber auf „zahlreiche Stimmen aus vielen Verbindungen". Wir halten es an sich schon für die Aufgabe jedes Bundesbruders, das Präsidium über wichtige Erscheinungen im Kartell zu informieren. Erst recht wäre es bei diesen grundlegenden Fragen Pflicht der Disziplin, der Bundesbrüderlichkeit und der sachlichen Arbeit gewesen, das Präsidium und das Kartell aufzuklären. Diese Pflicht hat man entweder gröblich verletzt oder, was schlimmer ist, man sammelte sorgfältig und planvoll einzelne Aeußerungen Mißvergnügter und suchte daraus eine stürmische Bewegung zu konstruieren. Ebenso hat man, solange den meisten Bundesbrüdern die Zahlen der Keilerfolge unbekannt waren, sich auf unsere Mißerfolge berufen; als das nicht mehr gut möglich war, zweifelte man — um auf irgend eine Weise unsere Arbeit zu verkleinern und die eigenen, brüchig gewordenen Argumente zu stützen — die Qualität der neuen Füxe an. Auch dieser Einwand ist ja schwer zu fassen und exakt zu widerlegen. Aber er richtet sich durch seine eigene Komik. Wir haben uns, wenn wir für die Notwendigkeit der Werbearbeit eintraten, wohl gegen die Behauptung einer natürlichen Auslese in dem Sinne wenden müssen, daß wir von selber die besseren Leute bekämen. Die Entdeckung aber, daß das von uns gewonnene Menschenmaterial minderwertig im Vergleich zu dem des K. C. und der paritätischen Verbindungen sei, blieb den Ringanhängern vorbehalten. Wir kennen immerhin erhebliche Teile der neuen Generationen und können feststellen, daß sie mindestens nicht schlechter sind als die früheren. Darin stimmen wir mit fast allen Bundes-brüdern überein, die unmittelbare Berührung mit jüngeren Bundesbrüdern haben. Mit solcher Taktik gewinnt man mit dem, ersten Anlauf Leute, die über die Tatsachen nicht orientiert sind oder abseits stehen. Dauernde Erfolge wird man, wenn nur Gelegenheit zu einer sachlichen Ab-