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Der jüdische Student · 1919-08-01 · Heft 5 (August 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 5 (August 1919)
Date
1919-08-01
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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196 Stein, „Grundlagen und Ausblicke4* sehen aus meiner selbstgenügsamen Vereinzelung und machte ihm die Gemeinschaft seines Volkes und seines Staates bewußt. Als die alten Anhänger des jüdischen Nationalgedankens nach vier langen Jahren zurückkehrten, hatten sie Gemeinschaft — nicht jüdische, sondern fremde — erlebt. Sie hatten aufgehört, Individualisten zu sein, sie hatten die Fähigkeit erlangt, überhaupt mit Menschen zusammen zu leben." So stellt sich Kupferberg, der vermutlich das Militär nicht kennen gelernt hat, dessen Wirkung auf einen Juden vor. Ich. habe beim Militär keine Gemeinschaft erlebt, ich bin auch keinem Bundesbruder begegnet, der im Kasino, im Stall oder im Schützengraben etwas gefunden hätte, was ihn innerlich über das Ergebnis seiner V. J. St.-er-Laufbahn hätte hinausheben können. Der Gedanke allein scheint mir so grotesk, daß ich tnir nicht vorstellen kann, wie jemand überhaupt derartige Ideen fassen kann. Wir haben unsere Gemeinschaft im alten V. J. St. so tief erlebt, wie die Blau-Weißen es heute von sich behaupten wollen. Die Verbindung war uns die nationale Heimat, vielen ein voller Ersatz für die Familie, das Kartell war das Symbol des Volkskörpers, den Dienst in ihm empfanden wir als Dienst am jüdischen Volke. Wir brauchten das deutsche Militär nicht, um uns des Vojksgedankens bewußt zu werden. Wie kann man uns zumuten, Gemeinschaft erlebt, ja sie erst kennen gelernt zu haben in einem Verband, in dem gegenseitiges Bestehlen die Notdurft des Tages ist und in dem die Behandlung der „Gemeinschaft" durch die „Führer" durch Bestechung ins Menschenwürdige gemildert wird, in einem Verband, in welchem jeder Zweite, der allen Gefahren entrückt ist, dem Opfer der Artilleriemaschinen alles Gute nach Möglichkeit entzieht und in welchem der Mangel an Unterhalt, die Fülle der Strapazen und die Häßlichkeiten der Behandlung durch die Schuld der Protegierten in demselben Maße wachsen, in dem man sich dem eigentlichen Sinne der Sache, der „Kanonenfütterung" nähert. (Ohne verallgemeinern zu wollen, kann man doch sagen, daß das deutsche Miiltär diese Zustände systematisch mindestens geduldet hat.) Wir sollten Gemeinschaft erleben in einem Verbände, in welchem eine der wenigen Brücken, die von den Führern zu den Massen reichen, vom Antisemitismus geschlagen und gestützt wurde und in welchem eine Judenzählung angeordnet und mit Hailoh durchgeführt werden konnte?! In einem Verbände, in dem höhere Bildung als Makel angesehen wird, in dem alles, die Art der Menseben, ihr Ton, ihr Zusammenleben dem jüdischen Geiste konträr ist und den Juden abstoßen muß? Ich halte mich zur Zurückweisung der Kupferbergschen Behauptung für um so berechtigter, als gerade für mich ein Lichtblick in diesem Kriege die absolut vorbildliche Kameradschaft einer Gruppe war. Aber echte Gemeinschaft wird letzten Endes nicht

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