Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus den Korporationen 167 AUS DEN KORPORATIONEN V. J- St. Zephirah, Breslau Nachdem nunmehr das Verbindungsieben bereits zu erstarken angefangen hat - man sieht bereits, wie die Füxe sich „einleben", Leib- und Freundschaftsverhältnisse die Einzelnen eng aneinanderketten — kann man es wagen, von unserer Tätigkeit zu sprechen, ohne in Gefahr zu geraten, damit einen Gegensatz zu schaffen zwischen dem Gewollten und dem tatsächlich sich Entwickelndjen. Denn Programme sind ja an und für sich zwecklos, wenn sie im Gegensatz zu dem sich entwickelnden Leben stehen; und deshalb sind wir froh, von uns sagen zu können, daß bei uns ein frisches Leben herrscht und dieses zugleich die Erfolge des „Programms" zeitigt. Wir sind eine stattliche Corona, insbesondere stark ist der Kranz der Füxe — 13 zweitsemestrige und vorläufig 9 erstsemestrige Füxe —, die" sich übrigens auch zu einem Fuxenkonvent zusammengeschlossen haben und sich angeblich mitunter wissenschaftlich, mitunter gesellig betätigen wollen; von letzterem Teil der Tätigkeit hat man schon einiges vernommen; «doch scheint die Geselligkeit sich insbesondere aufs Tanzen zu konzentrieren. Der Antrittskonvent besetzte die Chargen mit iur. Walter Deutschmann, med. Rafael Rotholz, med. Alex Kaatz. Den Tendenzunterricht für erstsemestrige Füxe erteilt Deutschmann, für zweite Semester i. a. B. Max P o 1 k e , Comment für erste Semester Hermann Cohn, für zweite Semester Harry Berg. An Kursen besteht ein hebräischer für Fortgeschrittene bei Frl. Weil, einer für Anfänger, den Bbr. Rotholz erteilt. Deutschmann gibt einen Kurs in jüdischer Literaturgeschichte. Sonnabend ist offizieller Verbindungsabendan dem wir über die jüdischen Gegenwartsprobleme sprechen. Ilm Mittelpunkt des Verbindungslebens stehen Turnen und Sport, die ebenfalls offizielle Veranstaltungen sind und die unter der tatkräftigen organisatorischen Leitung von P e t z a 1 bereits einen erfreulichen Aufschwung zu nehmen beginnen. Aber es wäre zu wenig gesagt, wenn man das Verbindungsleben an den Veranstaltungen messen wollte. Viel wesentlicher erscheint es mir, daß man selten einen Bundesbruder allein auf der Straße erblickt, auch auf den Buden, in Konzerten — Mittwoch Abend sind wir in den allen Breslauern wohl noch bekannten Südparkkonzerten — in Cafes, kurz, wohin man auch geht, kann man Bundesbrüder beieinander erblicken. Ja, man muß auch durchaus sagen, daß man mehr Bundesbrüder ■trifft als lila Mützen mit den darunter befindlichen K. C.-ern; es stimmt ^übrigens auch durchaus nicht, wenn aus Breslau berichtet wird, daß die Keilerfolge des K. C. un&ere übertrafen. Das ist natürlich nur Grund für uns, weiter zu .keilen, und wir hoffen, in Kürze wieder einige Erfolge aufweisen zu können.