Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Ascher, Der V.J. St. Berlin Gesamtheit unseres Volkes erwachsen, ein lodernder nationaler Zukunftswille sich emporrecken muß. Nun höre ich bei denen, die anderer Auffassung, als wir sind hinsichtlich der Erziehungsarbeit der Verbindungen, die Frage: und wo bleibt eure spezielle Palästinaarbeit? Nun, ich muß allerdings sagen, daß wir diese bei dem Fuxenmaterial, wie wir es naturgemäß haben, die wir unsere Keilarbeit auf die breitesten Schichten der jüdischen Akademiker erstrecken, vorläufig in etwas zurückstellen. Auch bei uns spielt die Diskussion über die praktischen Palästinafragen der nächsten Zeit die größte Rolle; ich selbst habe im letzten Sommer mit der Aktivitas .regelmäßig einen großen Teil der neueren Palästinaliteratur (besprochen, und wir haben uns bemüht, die sich ergebenden Probleme zu erfassen; aber wir sind ehrlich genug, nicht das ganze Korporationsleben so zu gestalten, als ob sich die Verbindung am Tage des Friedensschlusses in den Schlafwagen Berlin-Jerusalem setzte. , Nie aber war es mir auch so klar wie heute, daß aus der Erziehung, wie wir sie gestalten wollen, und — ich scheue mich nicht, es zu sagen — nur auf ihrer Grundlage mit innerer Notwendigkeit rfas echte zionistische Lebens- und Arbeitsgefühl erwachsen muß. Bruno Kirschnef 3. Den Ausführungen von Kirschner stimme ich im Großen und Wesentlichen >zu, obwohl ich engerer „Zwirnianer" bin. Wenn .auch die Anhänger Zwirns sich aus allen Typen — vom radikalen Sozialisten bis zum Konservativen — rekrutieren, finden sie sich doch zusammen, nicht nur in der Anhängerschaft an die starke und impulsive jüdische Persönlichkeit, sondern über diese hinaus, und durchaus nicht blind gegen seine menschlichen Schwächen, in dem von Kirschner skizzierten:* Erziehungsideal des V. J. St. Berlin und des alten B, J. C. Ein instinktiver Widerstand gegen alles Traditionslose — in dieser Hinsicht also doch etwas „Konservatives" — eint uns, und wir verlangen eine Erziehung, die wirklich'eine Regeneration, eine Ueberwindung des seelischen (und natürlich auch körperlichen) Ghetto- und Golustypus darstellt: jüdisch durch Aufsuchen der Quellen, aus denen unser Judentum fließt, das uns selbstverständlich, ungequält, nicht unnötig kompliziert, als Produkt von Fühlen und Erkennen und, wie Kirschner richtig betont, von Erkenntnissen erscheint; menschlich durch Abt streifen der persönlichen und geistigen Hemmungen, die den modernen jungen intellektuellen Golusjuden verhinderten, ein in sich wurzelnder, selbstsicherer, seiner selbst froher Mann zu werden; durch Abkehr von der geistigen Unruhe und Verbogenheit, von der, um es medizinisch zu sagen, manischen Exaltiertheit, in die die Psyche des jungen Westjuden verfallen