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Der jüdische Student · 1919-06-01 · Heft 4 (Juni 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 4 (Juni 1919)
Date
1919-06-01
Page
[Seite] (sequence 38)
Language
German
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146 Kirschner, Der V.J.St. Berlin die ihnen die Verbindung' gibt, schaffen: ein antizipiertes Erez Jisroel, wie ich den V. J. St schon vor einem Jahr sehnsüchtig nannte! Ein Gemeinschaftsleben aber, das nun einmal nicht ingenuin ist, sondern, wie das unsere, vorläufig noch des künstlichen (nicht erkünstelten) Antriebs seitens jüdisch entwickelterer Naturen bedarf, braucht Formen, braucht Institutionen. Ein Unglück wäre es, wenn diese Formen erst geschaffen, erst erdacht werden müßten j dann wären sie Steine statt Brot. Aber dies ist nicht nötig. Wollen wir unsern Nationalismus wesenhaft gestalten, und wir wollen es, so brauchen wir, was unsere Gefühlswelt anlangt, nur anzuknüpfen an das, was unser Volk aus seinem\goldenen Ueberfluß uns schenkt. Aus dieser Erkenntnis heraus hat sich der V. J. St. - Berlin entschlossen, unsere jüdischen Feste in einer Form, deren endgiltige Entwickelung sich freilich noch ergeben muß, zu seinen eigenen zu machen. Am Chanukkaabend war die Aktivitas bei mir versammelt, wir haben die Lichte gezündet, gesungen, getrendelt und uns, an Hand des Moauszurbüchleins, mit der Makkabäergeschichte befaßt. Zu Purim haben wir die Estherrolle gelesen und besprochen, und wir haben uns an der Schönheit zweier alter Megillaus erfreut, die ich mir für den Abend verschafft hatte. Daß der V. J. St. Berlin diesmal, wohl zum ersten Male, einen gemeinschaftlichen V. J. St. - Seder geplant hatte, dessen wesentliche Kosten von den Alten Herren getragen werden sollten, gehört nicht minder hierher. (Wenn die Feier zum allseitigen schmerzlichsten Bedauern schließ-, lieh nicht zustande kam, so nur deshalb, weil die Verhältnisse — bevorstehende Unruhen, Schwierigkeiten in der Lebensmittelbeschaffung — stärker waren als wir.) Das Schowuausfest gab uns Veranlassung, uns mit dem lieben Buch Ruth zu /beschäftigen; heute schon hoffe ich, zu Tischeobeaw mit meinen Bundesbrüdern die Echaus und Kinaus lesen: zu können — und wer mir zu bestreiten wagt, daß auch das nationale Erziehung ist, der ist ein Tropf und gehört nicht ins K. J. V. Auch wann der V. J. St. Berlin die gemeinsame mit Bibellektüre verbundene gemütliche Feier des Freitagabends aufnimmt und ob im eigenen Heim oder abwechselnd bei seinen Alten Herren, ist nur noch eine Frage der Zeit, die lediglich von der Besserung der Lebensmittelverhältnisse abhängt, da ohne gemeinschaftliche Mahlzeit der Freitagabend eben kein Freitagabend ist. Ich denke, wir sind heute alle so weit, daß an diesen Dingen kein K. J. V.- er mehr deshalb Anstoß nehmen kann, weil es „religiöse Formen" sind. Wer in seiner jüdischen Entwickelung noch nicht bei der Erkenntnis angelangt ist, daß die relegiösen Formen unseres Volkes zugleich und unablöslich nationale sind, wie sich und weil sich der nationale Geist unseres Volkes am stärksten im Religiösen emaniert hat, delr

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