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Der jüdische Student · 1919-05-01 · Heft 3 (Mai 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 3 (Mai 1919)
Date
1919-05-01
Page
[Seite] (sequence 29)
Language
German
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FREUNDLICH, Karteütags-Gedanken 87 tums handeln, wollten wir aufhören, für unsere Ideen zu werben, jedes Mittel zu ergreifen, um auch den letzten Juden für unsere Arbeit zu gewinnen. Keinen, der noch nicht fahnenflüchtig geworden ist, wollen wir aufgeben. Wir wollen immer wieder an das Gewissen des einzelnen Juden und der gesamten deutschen Judenheit appellieren. Jeder einzelne Jude ist unser Bruder, den wir als Bruder behalten wollen, den wir nur ungern in unseren Reihen vermissen. Und wenn wir weiter einerseits die Schäden nicht gering achten dürfen, die die übel beleumdete Keilarbeit im Gefolge hat, so erblicken wir anderseits im Aufgeben dieser Arbeit eine nicht minder große Gefahr. Dadurch, daß wir, wie so viele es wollen oder wenigstens vor dem Kartelltag wollten, uns bei der Gewinnung unseres Nachwuchses auf die Kreise beschränken, die wir bereits vor ihrem Eintritt ins Kartell in unserem Sinne beeinflußt haben, dadurch also, daß wir gleichsam nur Inzucht treiben, kommen wir in die Gefahr, zur Sekte hinabzusinken. Wir verlieren den Zusammenhang mit der Außenwelt, mit dem wirklichen Leben, haben nicht mehr die Möglichkeit, unsere Gedanken und Meinungen im Streit mit anderen, entgegengesetzten nachzuprüfen, spinnen uns allzuleicht in theoretische, lebensferne Gedanken- und Gefühlskonstruktionen ein. Wir nehmen unseren jungen Bundesbrüdern die Möglichkeit, in gedanklicher Freiheit? im Widerstreit und in der Diskussion zu uns und zum Zionismus zu kommen und setzen uns damit der Gefahr aus, daß sie, wenn sie aus irgend einem Grunde zu Zweifeln gelangen, diesen viel leichter erliegen, als wenn sie unter Zweifeln und im inneren Kampf zu uns gekommen sind. Schließlich aber, und das ist vielleicht das entscheidende, trennt uns von den anderen die Verschiedenheit dessen, worin wir den Sinn und das Ziel unserer Gemeinschaften erblicken. Diese Bundesbrüder, die gleichsam die Oeffentlichkeit scheuen und das K.I.V. zu einer halb im Verborgenen blühenden Blume machen wollen, stammen meist aus den Kreisen des Blau-Weiß oder haben nachträglich den Weg zu ihm und seiner Geistesrichtung gefunden. Im1 Blau-Weiß aber sehen sie eine Gemeinschaft, die auf gemeinsamem Erleben, auf Gefühlsverbundenheit basiert, und eine solche Gemeinschaft suchen sie im K. I.V. Es soll ihnen zum tiefen, innerlichen, gefühlsmäßigen Bewußtwerden der Verbundenheit mit der Volksgesamtheit verhelfen. Sie wollen in ihm die Oemeinschaft, die Volksgesamtheit erleben und mit ihrer ganzen Persönlichkeit in dieser Gemeinschaft des K. I.V. aufgehen. Wir glauben jedoch, daß ein solches Ziel nicht das eines Bundes von Männern sein kann, wohl dagegen das einer Vereinigung junger Menschen, vielleicht auch einer von Frauen. Der Mann aber ist von Natur einsam. Er bedarf zu seiner geistigen Ausbildung nicht einer solchen Anlehnung, eines solchen Aufgehens

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