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Der jüdische Student · 1919-04-01 · Heft 1 (April 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 1 (April 1919)
Date
1919-04-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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12 Hirsdi, Der erst- Kartelltag dabin geeinigt, die Vergangenheit ruhen zu lassen, um die kostbare Zeit für die Erörterung der Zukunft aufzusparen. Am Montag Nachmittag begann die Hauptdebatte der ganzen, Tagung, über die zukünftige Gestaltung des K. J. V. Eingeleitet wurdr sie durch ein Referat von Stein — der andere Referent, Bbr. Buch hol/* war erkrankt — der im wesentlichen eine Begründung seiner im letzten: J. St. abgedruckten Thesen gab. Es ist im Rahmen dieses Berichtes nick: möglich, auf die einzelnen Reden zu dieser Debatte einzugehen. Vielmehr soll nur versucht werden, ihre Hauptrichtlinien herauszuarbeiten.. Da* Hauptproblem war das, festzustellen, ob man sich über die wesentliches* Grundsätze der Erziehung einig war, klarzustellen, ob es noch einen gemeinsamen K. J. V.-Geist gibt. Das war von verschiedenen Seiten bezweifelt worden. Auf der einen Seite glaubte man, 'zwischen Palästinensern una Galuthzionisten unterscheiden zu müssen, d. h. zwischen solchen, dh Palästina in ihr Lebensprogramm aufgenommen haben und ihre Kräfte nuss darauf konzentrieren, sich für die Uebersiedlung nach Palästina vorzubereiten und solchen, die ihre Aufgabe im Galuth erfüllen woilen und sie in der Nationalisierung des deutschen Judentums erblicken. Auf der anderes Seite glaubte man konstatieren zu müssen, daß es Kreise im K.J. V. gib$J5 die im Gegensatz zu aller Tradition und den Lebensnotwendigkeiten unsere? Volkes den Individualismus kultivieren. Es zeigte sich aber, daß Unter« schiede im Geiste und in der Grundstimmung nicht vorhanden sind (von einzelnen in der Entwicklung zurückgebliebenen oder noch nicht richtig erzogenen Bundesbrüdern kann natürlich abgesehen werden). Es zeigte sieb, da,ß der Geist des ganzen Kartells durchaus palästinazentrisch ist: aller Augen und Herzen sind auf Palästina gerichtet, alle sind innerlich, unterwegs nach Palästina. Nur das Marschtempo ist verschieden : die eines glauben bald, sehr bald den Weg ins Land nehmen zu können, andere sehen für sich noch keine Möglichkeit, noch andere (zumeist Alte Herren) glauben überhaupt resignieren zu müssen. Aber auch die hier bleibenden sind bereit, sich geistig auf Palästina einzustellen, die Entwicklung des jüdischen Geistes in Palästina mitzumachen; und sie woilen den Glücklicheren, den Hinübergehenden ihren Weg nach Kräften erleichtern. (Das zeigte in erfreulicher Weise auch das geplante Programm des Altherrenverbandes.) So kann die Stellung zu Palästina keine Scheidung aer K. J. V.-er rechtfertigen. , Aber es zeigte sich ferner, daßi die Befürchtung, die hinsichtlich des individualistischen Geistes eines Kreises von Bundesbrüdern bestanden, unbegründet sind. Wir alle sind uns darüber einig, daß wir Menschen erziehet* müssen, die sich einzuordnein und unterzuordnen vermögen, die ihre Person hinter das Wohl der Gesamtheit zurücksetzen. Nur über die einzuschlagende Erziehungsmethode bestehen Meinungsverschiedenheiten. Es gibt eine Anzahl Bundesbrüder, die glauben, daß das alte System der Erziehung zur Disziplin, das ihnen als dem preußischen System nachgebildet erscheint, sich nicht hinreichend bewährt habe, daßes zum mindesten; möglich sei, auf andere, freiere Weise zum mindesten gleiche, wenn nicht bessere Resultate zu erzielen. Diese Bundesbrüder halten das System des Abschlusses nach außen, das Verlangen einer äußeren Disziplin usw. iiir überholt, diese Bundesbrüder zitieren Tolstoi und Krapotkin und stellen dem preußischen Offizier den russischen Revolutionär gegenüber. Die anoern Bundesbrüder halten diese Methode grade bei unserer gegenwärtigen! Situation hier im Galuth für verfehlt. Ich sehe grade in diesem Unterschiede der. Erziehungsmethoden die Hauptdiffercnz der Hechawergnippe zum

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