Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Hirs<£, Der erste Karteiltag denken wir an die Zionisierung des B. J. C. — restlos gelost,?ber die Lösung ist angebahnt. An dem Präsidium', an den Korporationen, an den Organisationen der Alten Herren, an allen, die im Kartell mitarbeiten, wird es liegen, die Lösung bis zum nächsten Kartelltage vorzubereiten. Der Karteiltag tagte unter ungünstigen Verhältnissen, und sie haben die Lösung des Problems erschwert. Zu allen sonstigen Einschränkungen der Kriegszeit kamen die kurz vor dem: Karteiltag noch verschärften Verkehrsschwierigkeiten, die es einigen Korporationen unmöglich machten, ihre Vertreter zu entsenden und sie zwangen, Berliner Bundesbrüdern das Mandat zu übertragen. Es fehlte die richtige Kartelltagsstimmfing, die einheitliche, alle Kartelltagsteilnehmer — orne Rücksicht aul die sachlichen Meinungsdiiferenzen — umschließende Stimmung. Wie mir scheint, hauptsächlich aus dem Grunde, weil der Kartelltag diesmal nicht wie sonst alle diejenigen und nur diejenigen vereinte, die im letzten Jahre im Kartell gearbeitet hatten und sich darum stets bei allen sachlichen Differenzen verstanden und vertrauten. Es war in den Jahren vor diesem Kartelltag nicht so intensiv gearbeitet worden, weder vom Präsidium noch von den Korporationen, und so fehlte zunächst das persönliche Band unter den Kartelltagsteilnehmern. Der Kartelltag wurde Sonntag, den 16. Februar, vormittags, in einer feierlichen Sitzung, zu der die Hinterbliebenen der gefallenen Bundesbrüder geladen waren und die Angehörigen der Bundesbrüder .Zutritt hatten, eröffnet., Nach der Eröffnungsrede von Egon Rosenbe rg gedachte Zloci st i in eindrucksvollen Worten unserer Toten. Es wirkte herzzerreißend, als er mit den Worten „Dies sind unsere Toten" die Namen ' unserer Gebliebenen verlas. Dann hielt Blumenteid eine Programmrede, die bereits das Problem des Kartelltags andeutete. Tie Bedeutung des K. J. V. liege darin, daß es gegenüber der in der Jugendbewegung immer mehr um sich greifenden Spaltung in Gruppen von zwar hoher zionistischer Intensität, jedoch mit allzu spezialistischen Zielen, die Einheit des zionistischen Gedankens zu verkörpern sucht. Int K. J. V. ist Raum für aile Tendenzen, wenn sie nur den Zionismus als ihr einziges und oberstes Gesetz anerkennen; im Gegensatz zu all den Gruppen sieht das K. J.V. auf das Ganze des Zionismus, erzieht die jungem Zionisten dazu, das Ganzje nie aus den Augen zu verlieren.- In diesem'Sinne ist das K. J. V.-Ideal des politisch denkenden zionistischen Mannes so lebendig wie nur je. — Die Eröffnungssitzung war würdig und angemessen. Sonntag Nachmittag fand dann der Altherrentag statt. Es ist sehr schwer, darüber einigermaßen objektiv zu berichten, insbesondere wenn man nicht objektiv ist. Es handelte sich darum, die gesamten Alten Herren des Kartells zu einem Altherrenverband zusammenzufassen. Ueber die Zweckmäßigkeit einer solchen Gründung und auch über d:e Aufgaben des zu schaffenden Verbandes war man sich im (wesentlichen esn:<r, wenn auch nicht verschwiegen werden soll, daß die jüngeren und jüngsten Alten Herren die Bedeutung des Altherrenverbandes nicht so hoch einschätzen wie die älteren, daß sie insbesondere von ihm nicht eine wesentliche Förderung der Lebensfragen des Kartells erwarten. Aber das ist eine Frage, über die man sich nicht; in die Haare zu geraten braucht und die nur die Konsequenz ergibt, daß die, die mehr von der Notwendigkeit überzeugt sind, die Führung übernehmen und daß die Skeptiker lediglich mitmachen. (Das ist in anderen zionistischen Fragen ebenso; es sei hier, nur an die KongrcGbevvegung erinnert). Zu heftigen Auseinandersetzungen kam es bei der Frage', ob der Vorstand des zu schaffenden Altherrenver-