Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 12 (Februar 1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537730-3537736--4411-3542162- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Keilbericht «5 II. Künftige Organisierung der Keilarbeit In der bevorstehenden Friedenszeit wird die Keilarbeit eine ganz besondere neue Bedeutung haben. Die Gewinnung der akademischen jüdischen Jugend in Deutschfanjd ist die Vorbedingung dafür, daß hier das geschaffen wird, worauf ,cs neben dem Äuibau Palästinas allein ankommt: eine nach Palästina orientierte^. national-jüdisch gesinnte Diaspora. Unter diesem Gesichtswinkel befrachtet, wird uns die intensivste Keilarbeit zur wichtigsten Pflicht, Daß die gewonnenen Füxe erst zu Zionisten wie wir sie .brauchen .erzogen werden müssen, ist ja selbstverständlich, aber man vergesse nicht, daß wir nur diejenigen erziehen können, die wir bekommen t WoUei} wir exklusiv sein, dann haben wir die Daseinsberechtigung verloren, denn die Aufstellung des Prinzipes der Exklusivität würde — auch nur mit einiger Konsequenz durchgeführt — unbedingt zu einer Auflösung des K. J. V. in eine große ^Anzahl von kleinen Klubs führen müssen. Es handelt sich also darum, eine Keilarbeit zu meisten, die möglichst sämtliche eine deutsche Universität beziehenden deutschen Juden umfaßt. Wir müssen da zweierlei unterscheiden: 1. das Keilen der neuimmatrikulierten Studenten, 2. das Vorteilen der Schüler. Es muß daran festgehalten werden, daß wir unter allen Umständen versuchen müssen, nach Möglichkeit sämtliche Keilfüxe bereits auf der Schule so intensiv zu bearbeiten, daß ihr Eintritt ins K. J. V. beim Beginn des Studiums ganz leicht erreicht werden kann. Je besser diese unsere Arbeit ist, umso .seltener wird es vorkommen, daßwir mit ijungen Studenten in Berührung kommen, die wir bis dahin in keiner .Weise haben beeinflussen können. Natürlich wird diese Forderung nie restlos erfüllt werden können, wir werden also nach wie vor unsere .Tätigkeit auf neuimimatrikulierte Studenten ausdehnen müssen. Diese Keilarbeit wird in großen Zügen in derselben Art durchzuführen sein, wie ea vor dem Kriege gemacht wurcie. . Als willkommenes und in sehr zahlreichen Fällen wertvolles neues Keilmittel werden wir öffentliche.Studenten v e r s a mm lu n g e n , wie sie jetzt möglich sind, benutzen können. Darüber hinaus aber müssen wir — .dem leitenden Gesichtspunkt einer möglichst restlosen Erfassung der jüdischen Akademiker getreu * — unbedingt darauf sehen, im Gegensatz zu unserer Gepflogenheit vor dem Kriege an die jungen Studenten sämtlicher deutschen Universitätei* heranzukommen. Wie weit wir diesem Ziel dadurch näherkommen können, daß wir durch Gründung neuer Verbindungen unser (Arbeitsfeld vergrößern, gehört nicht in den Rahmen dieser Ausführungen;. Es muß jedoch in jedem Falle darauf gesehen werden, daß. neben den ständigen Verbindungen an möglichst sämtlichen deutschen Universitäten fortwährend Stammtische unterhalten werden, die aus nicht mehr als zwei bis drei Examenssemestern und vielleicht einem jüngeren £u bestehen brauchen und die an solchen Universitäten ja nicht .übermäßig zahlreichen Keilfüxe zu bearbeiten haben. Weit wichtiger jedoch ist, wie schon angedeutet, eine ganz planipäßjge und umfassende Bearbeitung sämtlicher jüdischen Schüler Deutschlands. Hier den gewünschten Erfolg zu erzielen, Ist nur dann moghchl, wenn (eine ganz genaue,; bis ins einzelne durchgeführte Organisation gebildet5 wird. '