Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 8-11 (Februar 1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht 167 Vierstube in Bodersweier bei Kehl kennen. Er war als Feldunterarzl zu unserer Batterie gekommen. Bis zum April lebten wir in engster Gemeinschaft. Dann kam er zu einem Infanterie-Regiment unserer Di- Vision. Hier wurde er zum Feldhilfsarzt befördert. Er teilte mir damals seine Beförderung mit den Worten mit: Ich habe in militärischer Beziehung alles erreicht, was mir zus erreichen möglich war, außer den Heldentod. Die Ahnung, daß: er den Weltkrieg nicht überleben werden hatte er schon seit mehreren Jahren. Sie verließ ihn niemals, wenn er es auch der Umwelt verbarg. Ein großer Schmerz war es für ihn* daß er an der schönen Rauschhaschonohfeier in Sedan nicht hatte teil* nehmen können. Die Division war gerade auf dem Transport nach Lothringen begriffen. Dort habe ich ihn am 12. September, am Morgen: des amerikanischen Durchbruchs bei St. Mihiel, zum letztenmal gesehen; In der furchtbaren Abwehrschlacht bei Stenay an der Maas ereilte ihn das Geschick. Ein Volltreffer machte seinem Leben ein Ende, als er gerade im Begriff war, sich in den Graben zu begeben. Da Rudolf Herzberg immer in Süddeutschland studiert hatte, war er nur verhältnismäßig wenigen Bundesbrüdern bekannt. Auch sein ganzes % .Wesen war nicht geeignet, ihn in den Vordergrund zu drängen. Er war einer von jenen Menschen, die alle Probleme mit sich selbst durchkämpfen müssen, die eine gewisse seelische Schamhaftigkeit daran hin-r dert, ihr Inneres vor der Oeffenttfchkeit, sei es auch nur vor der be* schränkten des Kartells, zu enthüllen. Er war kein ,Mann der Worte^ sondern der schlichten, stillen Tat. Eine selten vornehme Gesinnung zeichnete ihn aus. Für unsere Sache erfüllte ihn begeisterte Hingabe,, Er hatte Palästina tatsächlich zu seinem Lebensinhalt gemacht und de» festen Vorsatz, nach dem Kriege ins Land unserer Väter zu ziehen. Es ist ihm ergangen wie unserem großen Führer Mose. Er hat da* gelobte Land des Friedens und der nationalen Zukunft unseres Volke» nur noch aus der Ferne erblicken, aber nicht mehr selbst betreten dürfen^ ErichCohn (Ruder-V. j. St.) BERICHT Ruder-V. J. St. Obwohl wir Ruder-V. J. St.-er mit traurigem Herzet* »ach1 dem schönen Sommer das Semester abschlössen, um uns auf dea. „Winterschlaf" einzurichten, so* hat der Winter es doch nicht vermocht^ Unseren Betrieb wesentlich einzuschränken. Wir können heute mit Befrie* cligung feststellen, daß der Winter glänzend überstanden ist. Nach Abschluß des Waffenstillstandes kamen allmählich die Bundes* brüder aus dem Felde und. den Garnisonen wieder. Leider kehrten viele der unsrigen nicht zurück. Bbr. Walter Prinz wird in der Türkei vermißt.. In Gefangenschaft sind die Bbr, Willy Cohn, Sigismund Haase, Ludwig Kneller. Folgende Bundesbrüider waren im Laitfe des Semesters in Berfa* anwesend: Alte Herren: James Bileski, Mor. Bit esfci, Berthold Gohflr jyjartin Ex ine r, Bruno Gbfdberg, Erich Herzberg*, Waltet Katschke, Erich Kretschmer, Willy Liemann, John Lissauer* Joseph Loewy, Richard Michel, Alfred Moses, Kurt Pick, Ernst Pjirner, Walter Pinn ex, Emanuel Reer, Kurt Romenthal* Alfred-