Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 8-11 (Februar 1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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130 _£l Bericht des Präsidiums Krieges gezeigt und haben hier und da bereits das Korporationsleben umzugestalten vermocht. Die korporativen Grundlagen des Kartells sind immer stärkeren Angriffen ausgesetzt gewesen. Es wird die Meinung vertreten, daß die Unterscheidung von Fux und Bursch innerlich unhaltbar sei, daß die Auffassung, die nur dem volle Rechte gibt, der gewisse Kenntnisse besitzt, daß unsere ganze Auffassung von Disziplin, die Schuld daran trage, wenn ein enges Gemeinschaftsleben bei uns unmöglich sei. Daß Wichs und Farben abgeschafft werden sollen, spielt natürlich keine so wichtige Rolle. Wesentlich ist die Stellungnahme zur Satisfaktion. Aus den verschiedensten Gründen wird Aufhebung des Satisfaktionszwangs gefordert. Die Tatsache, daß thoratreue Juden und insbesondere Juden des Ostens bei uns vielfach nicht aktiv werden können, weil sie den Zwang der Satisfaktion nicht auf sich nehmen können oder wollen, wird ebenso gegen die Satisfaktiou angeführt, wie allgemeine ethische Gesichtspunte, die die Satisfaktion als dem jüdischen Empfinden fremd erscheinen lassen. Insbesondere fordert eine Richtung das Verbot der Satisfaktion gegenüber Juden, da für sie jedenfalls die Argumente nicht geltend gemacht werden können, die für die Satisfaktion im allgemeinen angeführt werden. Auch die Kneipe, wenigstens soweit sie als offizielle Veranstaltung gilt, wtrd abgelehnt. Man fordert, daß nur diejenigen Bundesbrüder an einer Kneipe teilzunehmen brauchen, die dazu Neigung verspüren. Diese Richtungen haben in der neugegründeten Berliner Verbindung „Hechawer" ihren klarsten Ausdruck gefunden, aber auch die anderen Kartellverbindungen neigen vielfach dazu. Das Fechten, das während des Krieges ziemlieh eingeschlafen war, ist in manchen Verbindungen auch jetzt nicht mehr aufgenommen worden und man tut das bewußt in der Erkenntnis, damit dem Abbau des Satisfaktionszwanges vorzuarbeiten. So sind auch die Burschenkonvents seltener geworden, da man die Ausschliessung der Füxe von den Beratungen nicht mehr als gerechtfertigt ansah. Die Lösung des korporativen Problems wird von vielen Bundesbrüdern darin gesehen, daß die Korporationen sich bestimmte Arbeitskreise innerhalb der nationaljüdischen Jugendbewegung suchen. So hat ein Kreis von K. J. V.-ern, der im wesentlichen aus Blau-Weiß-Führern besteht, sich in Berlin im Hechawer vereinigt. Der Hechawer ist vom Präsidium vorläufig