Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 7 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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108 Aufruf zur Gründung von Rudervereinen jüdischen Lebens gerecht werden und eine umfassende jüdische Turn- und Sportbewegung schaffen. Die Leitung der jüdischen Turnerschaft in Deutschland haben wir neuerdings in die Hand bekommen, D'ies nützt uns aber nichts, wenn nicht das ganze Kartell mitarbeitet. Bei der Auswahl der Delegierten wird möglichst auch darauf zu achten sein, daß Kenner der Turnbewegung auf dem K. J. V.-Tag erscheinen. Wir wollen während des* Kartelltages in besonderen Besprechungen Arbeitspläne aufstellen und die Vorarbeiten beginnen. Sollte eine Verbindung ausnahmsweise keine hierfür geeigneten Delegierte haben, so kann sie unter ihren zum Kartelltag reisenden Angehörigen einen geeigneten ■ Bundesbruder mjt ihrer Vertretung für diese Besprechungen betrauen. Aufruf zur» drü&idung imis Buderwereiiieii Der Ruder-V. J. St. hat im Kriege nicht nur seine Organisation aufrecht erhalten können, sondern ist seit einiger Zeit sogar in der Lage,, einen umfangreichen Sportbetrieb in Gang zu halten. Wir kehren daher zu uhserm alten Plane zurück, dem Rudersport auch außerhalb Berlins Eingang in die national-jüdische Jugendbewegung zu verschallen, wie es vor dem Kriege in schwachen Anfängen in Hamburg versucht wurdQ. Der Rudersport hat sich als ein ganz hervorragendes Mittel für die Erreichung unserer jüdischen Ziele erwiesen. Wir wollen wie in Berlin gemeinsam mit der Turnbewegung arbeiten, ihr gleichzeitig neue Impulse geben und sie im Rahmen einer großzügig ausgebauten Sportbewegung ersetzen, wo sie aus inneren oder äußeren Gründen versagt. Schon versucht der K. C. in Breslau und Heidelberg, den Rudersport seinen Zwecken dienstbar zu machen. Wir alle, auch die Nichtruderer, haben das höchste Interesse daran, daß wir uns nicht von der liberalen Jugendbewegung den Rang streitig machen lassen. Es ergeht daher an Euch die Bitte, unsere Vorarbeiten zur Ausbreitung des jüdischen Rudersports zu unterstützen. Daß wir selbst an anderen Orten praktisch arbeiten können,, ist vorläufig unwahrscheinlich, da unsere hiesigen Mitglieder zurzeit beruflich und militärisch gebunden sind und wir keine Ueberweisttngen vornehmen können; doch sind unsere Erkundungen keineswegs nur theoretisch, sie bilden auf jeden Fall die Grundlage für eine hoffentlich recht bald praktisch werdende Arbeit. Als Organisationsformen kommen folgende Möglichkeiten in Betracht, die nach den örtlichen Verhältnissen modifiziert werden können: 1. Gründung eines selbständigen Ruder-V. J. St, 2. Gründung einer Ruderriege innerhalb der arn Orte bereits bestehenden Verbindung, 3. Gründung eines Ruder-Vereins außerhalb der Verbindung unter Hinzuziehung der Nicht-Akademiker, 4. Gründung einer Ruderriege innerhalb des bereits bestehenden Turnvereins, ebenfalls unter Hinzuziehung der Nicht-Akademiker. Uns interessiert zunächst die Beantwortung folgender Fragen: 1. An welchen Orten sind Nationaljuden vorhanden, die Wassersport treiben oder getrieben haben und die rudertechnisch ausgebildet sind?