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Der jüdische Student · 1919-01-01 · Heft 7 (Januar 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 7 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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100 Hofdfieim, Die gegenwärtige Lage des K. J. V. Die gegenwärtige Lage des K. J. V. und die Aufgaben des Kartelltages Von Gerhard Holdheim (V. J. St. Maccabaea A. H.) Berlin Der Tag des ersten ordentlichen Kartelltages naht heran. Wir alle haben ihn ersehnt. Nicht nur diejenigen, die fern von allem, was ihnen teuer war, in den Gräben ein vertiertes Dasein tühren mußten; auch denen,'die ganz oder teilweise Heimkrieger sein konnten, wird dieser Tag eine Erlösung sein. Denn gerade wir, die wir in der letzten Zeit aus unmittelbarer Nähe r?as K. J. V.-er Leben betrachten konnten, empfinden das dringende Bedürfnis nach Klärung. Wir . begrüßen es, dad endlich sämtlichen Bundesbrüdern Gelegenheit zur Aussprache über alle uns am Herzen liegenden Fragen gegeben werden kann und daß die Erwählten der Kartellorganisationen über die zukünftige Arbeit oder besser gesagt über die zukünftige Gestaltung des Kartells votieren können. Denn wir wissen es, daß die Bedeutung dieses Kartelltages nicht nur darin bestehen kann, daß wir nach jahrelanger Trennung die Freude des Wiedersehens erleben werden, daß es sich ferner nicht nur um die Erörterung einer Unmenge sachlicher Probleme und organisatorischer EinzeÜ'ragen handeln wird. Es geht bei dieser Tagung um nicht mehr oder weniger ars um die Zukunit des K. J. V. Nicht daß die Furcht besteht, das Kartell könnte infolge unvereinbarer Gegensätze in die Brüche gehen. Ich meine vielmehr, daß wir, vor allem unsere Jugend, auf diesem Kartelltage Klarheit darüber gewinnen müssen, ob das K. J V. noch innere Existenzberechtigung hat. Es ist kein Geheimnis, daß sehr lebhafte und oft stürmisch geäußerte Zweifel in unserer Jugend (jedenfalls in der Berliner) bestehen, daß dieser Jugend jenes sichere Vertrauen in den Sinn und in die Kraft des Kartells fehlt, das uns Aeltere bei noch so heftiger Kritik an Einzelerscheinungen stets erfüllte. Ich halte es für falsch, d e Ver fahrenheit der gegenwärtigen Lage allein auf die äußere Tatsache des Krieges, auf das Fehlen vieler tüchtiger Bundesbrüder zurückführen zuwollen. Der kardinale Grund für die Krisenstimmung scheint mir vielmehr im wesentlichen in der völligen Veränderung unserer inneren Situation zu suchen zu sein. Vor dem Kriege war für jeden K J. V -er die Existenzberechtigung unseres Verbandes aus zwei Gründen garantiert. Er bezweckte nach außen die Aufrüttelung, die Nationalisierung der akademischen jüdischen Jugend in Deutschland, nach innen Erziehung zu unbedingt zuverlässigen Zionisten, und er bedeutete ferner aen Bundesbrüderu ihre jüdische Heimat. Man kann heute nun nicht mehr sagen, daß die jüdische Außenarbeit, das Gewinnen neuer Kräfte aus dem großen assimilantischen Reservoir und die Erziehung dieser Unberührten zu einer gefestigten zionistischen Lebensanschanung, als ausschließliches Gemeinschaftsziel den Bedürfnissen unserer jüngsten Generation entspricht. JPa^ Jäsjmaist als l^^X^^^^^^^^^^^^- Wir hatten auch schon früher „Palästina in unser Lebensprogramm aufgenommen". Aber gestehen wir es ruhig ein: es war eine schöne Geste. Ich verkenne wirklich nicht die Bedeutung der Resolution des Posener Delegiertentages. Ich weiß wohl, daß durch die Erziehungspropaganda der Initiatoren dieser Resolution eine starke Palästinastimmung bei uns geschaffen wurde und unsere beiden Palästinafahrten dieser begeisterten Stimmung ihr Entstehen verdankten. Aber wer dachte damals ernstlich an Uebersiedlung?

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