Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 3-4 (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte 63 ■die, aus Jordania und Kadimah hervorgegangene Kriegs Verbindung" gesetzt worden waren, waren leider viel zu hoch gespannt. Drei Gründe waren es, vor allem, welche eine wirkliche zionistische Korporationsarbeit nicht aulkommen ließen: 1. Wir hatten kein Keilmaterial, weder aktives noch passives. Passives deshalb nicht, weil wir keine Adressen von Keilfuxen kannten. Aktives Keiimaterial hatten wir nicht, weil wir 2. (es ist dies auch iür den übrigen Betrieb wichtig, festzustellen), eigentlich nur einen ■einzigen Bundesbrüder hier hatten, der genug Zeit iür die Verbindung linden konnte. Das war Bbr. Katzenstein. Die beiden anderen Füxe, sechs Inaktive und e'twa fünf Alte Herren waren teils durch Beruf, teils durch Examen oder Militärdienst dermaßen in Anspruch genommen, dar* sie nur schwer wenige Stunden der K. J. V-Korporation opfern konnten. Und 3. ist die Münchener Zionistische Ortsgruppe nicht nur noch nicht aus ihrem tiefen Schlaf erwacht, sondern sie hat vielmehr andere jüdische Organisationen schon angesteckt. Es gibt hier kein jüdisches Leben. Um hier Betrieb hereinzubringen zu bringen, brauchen wir Leute, welche keine Opfer an Zeit und Mühe scheuen, das schlafende Münchener Judentum wachzurütteln. Daß weder Soldaten noch Examenskandidaten dazu geeignet sind, liegt auf der Hand. Eine eifrige zionistische Studentin versuchte eine Organisation jüdischer Studierender zum Ausgleich und zur Versöhnung der verschiedenen Richtungen zu schaffen, mit der Absicht, die Teilnehmer in den Diskussionen eben auf jüdisch-nationalen Boden zu drängen. Die Art jedoch, wie die Dame das Werk einleitete, ließ schon die Aussichtslosigkeit des Unternehmens erkennen. Und so fiel auch dieser gewiß gut gemeinte Plan unter den Tisch. Wir hatten unsere Hoffnungen zu hoch gespannt, die durch den Krieg geschaffener: Verhältnisse ließen sie nicht zur Wahrheitn werden. Und doch möchte niemand von uns dieses Semester missen. Zum erstenmal seit Kriegsbeginn erstand in München wieder eine organisierte zionistische Verbindung, eine K. J. V.-Verbindung, deren Mitglieder sich mindestens jeden Montag offiziell trafen. Oft genug hatten wir das Vergnügen, auswärtige und durchreisende Bundesbrüder zu begrüßen. Wir machten gemeinsamen Kellerausflug, wir hatten Konvente, eine Kneipe und vor allem fanden wir trotz der äußerst mißlichen Verhältnisse hier, welche ein Auswärtiger überhaupt nicht verstehen kann, Zeit und Gelegenheit zu mehreren Vorträgen. A. H. Manneberg erteilte Unterricht im Zionismus, i. a. B. B e n j a m i n in Palästinakunde. Wir haben den Grundstein gelegt für einen geregelten Korporationsbetrieb im nächsten Semester. Wenn uns das Präsidium noch ein paar Aktive herschickt und Keiladressen aufgibt, so wird das K. J. V. in München wieder eine leistungsfähige Korporation besitzen. Am 25. Juli fand der Schlußkonvent der Verbindung statt. Bbr. Katze n s t e i n wurde rezipiert, Bbr. Benni Nußbaum wurde Alter Herr. Der Erste Chargierte gedachte in herzlichen Worten des der Grippe erlegenen A. H. Dr. Goldscheide r, bei dessen Beerdigung die V. J. St. Kadimah chargiert hat. Mit der Stiftung eines Oeibaums und einem Dank an die Münchener Bundesbrüder wurde das Semester geschlossen. iVon hier ans sei A. H. Dr. Manneberg noch einmal für seine freudige Mitarbeit und sein eifriges Interesse gedankt, das der Verbindung und jedem Einzelnen zugute gekommen ist. Mitteilungen für die Münchener Verbindung im K. j. V. gehen bis auf weiteres an Benni Nußbaum, München, Sonnenstr. lÖIIr. / ~ Nußbaum