Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Juni 1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 WunderCich,, Umgestaltung des Kartells beim K. Z.V., das Prinzip der zielbewußten Massenerziehung beim B. J. C. Parteipolitisch gesehen war der B. J. C. zionistischer als das offiziell, zionistische K.|Z^V. Jeder, der mich verstehen will, weiß, daßi dieses Schema zu keiner Zeit der Wirklichkeit entsprach* die Uebergange waren immer fließende. Im Laufe der Jahre kam es aber zu einer graden Umkehrung. B. J. C.-Korporationen und zahlreiche einzelne B.J.C.er nahmen das K.Z.V-Ideal an und umgekehrt glaubten K.Z.V.-Verbindungen, die im Niedergang waren, im B. J. C.-Prinzip die Rettung zu finden. Alle Outen empfanden zudem die kleinlichen Stänkereien zwischen beiden Verbänden als äußerst peinlich. Kein Wunder also, daß, es zur Fusion kam. Ich verkenne die großen Vorteile der Fusion gewiß; nicht, aber manche Werte wurden durch sie zerstört, Werte, die grade mir und meinen Freunden am Herzen liegen. Ich glaube nun, daß irfnerhalb des Kartells Platz ist für beide eben kurz gekennzeichneten Richtungen, und ich fordere von der Kartelleitung die Freiheit, für das alte K. Z. V.-Prinzip im neuen K, J. V. arbeiten zu dürfen. Das Kartell, hat die Aufgabe, möglichst alle jüdischen Akademiker Deutschlands zu fassen. Dementsprechend müssen die Anforderungen des Kartells relativ gering sein. Moralischer Wert, Bekenntnis zur nationalen Auffassung des Judentums und Mitarbeit an den von der Kartellleitung gesteckten Zielen müssen genügen, um einen jüdischen Akademiker aufnahmefähig zu machen. Zahlreichen K.J.V.ern wird aber diese weite Plattform nicht genügen, sie werden nach engerer Gebundenheit streben, nicht bloß einem Kreis akademischer Gesinnungsgenossen angehören wollen, sondern darüber hinaus einem Kreise von Freunden, denen sie sich auch menschlich verbunden fühlen. Durch Ringbildung innerhalb des allgemeinen Kartells ist dieses Ziel wohl zu erreichen. Ich denke mir da einen großen Ring von Korporationen, die auf dem Prinzip der akademischen Gesinnungsgenossenschaft aufgebaut sind und dem Einzelnen sonst menschlich jede Freiheit lassen, und daneben einen oder mehrere Ringe straff zusammengefaßter Korporationen, die unter erheblicher Beschneidung der persönlichen Freiheit während der Aktivität die menschliche Erziehung des Einzelnen zu dem einmal für richtig erkannten Ideal fest in der Hand hatten. Als altem K* Z. V.er schwebt mir ein Ring der ehemaligen K. Z. V.-Verbindungen vor, doch' ich nehme mit Sicherheit an, daß V. J. St.en von gleicher Tendenz wie Makkabaea, V. J. St. Königsberg und andere sich zu einem gleichen Ring zusammenschließen werden, vielleicht entsteht um den Ruder-V. J. St. auch bald ein Ring von Sportverbindungen. Den Aufbau des Kartells denke ich mir etwa folgendermaßen: oberste Instanz ist der jährlich tagende Kartelltag, sein ausführendes Organ ist dais Präsidium. Der Kartelltag legt die zionistischen Richtlinien fest. Die Wahl zum Kartelltag geschieht durch einen gerechten Wahlmodus; außer den so gewählten Vertretern ist jede Verbindung und jeder Altherrenbezirks verband durch einen Sprecher vertreten. Der Kairtelltag wählt das Präsidium. Der Altherrenschaft muß eine, genügende Vertretung im Präsidium gewährt werden. In allen nichtzionistischen Dingen sind die ein-