Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 10-12 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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96 T>er Jüdische Student t:." Diese Vorstellung schließt seihon bei fast allen von vornherein die Miöglichkeitaus, an eine UebefSiedlung nach Palästina zu denken. Ich glaube, daßi diese Bundesbrüder schlecht beraten sind. Wer ernstlich sich mit der jüdischen Uebersiedlungsfrage nach Palästina beschäftigt, wird wissen, wie wienige K. J. V.er sich zum Leben auf dem Lande eignen, wie wenig also überhaupt durch eine dalidnzielende Propaganda geleistet werden kann. Und der bisher völlig negative Erfolg dieser Prop'aganda gibt dem Recht. 'Wir sollten vielmehr wissen, daß bei dem Aufbau eines jüdischen Volkslebens in Palästina jedem Teil, jedem Stande des Izerstreut, und in verschiedenartigen Verhältnissen leibenden jüdischen Volkes eine gesonderte Aufgabe im Aufbau Palästinas zufallen muß, wobei die Lebensverhältnisse und Kräfte eines jeden Teiles genutzt werden. , . i ■ \ So mußauch die Aufgabe, die K. J. V.ern dabei zufällt, streng gefaßt, d. h. ihren Vorzügen und -besondern Fähigkeiten abgelauscht und angepaßt werden. Für K. J. V.er können vorerst nur Solche Berufe in Frage kommen, in deren Mitte sich! ihre Lebens- und Weltanschauung gebildet hat: vorzüglich der Beruf efes Kaufmanns und des Arztes, des Technikers, des Baumeisters' und tier des Agronomen. ' Das Biluexperiment halte ich sowohl für die Sache als auch für die Bundesbuüder für ungeeignet und gefährlich. Oemn abgesehen von der, wie oben schofr gesagt, ganz geringen Zahl von Bundesbrüdern, die dafür in Betracht kämen, ist die auf die Landwirtschaft hinzielende Propaganda zu den falschen Leuten getragen worden. Aus einem Abiturienten kann man' vieles machen, aber doch nicht alles, was es in der Welt gibt. Wir haben ja jüdische Bauern und Landwirte in Galizien genug. Das sind die Kreise des jüdischen Volkes, die mit Fug und ReCht und mit Gewann für die Landwirtschaft Palästinas zu interessieren sind, und aus denen in Wirklichkeit bisher die Palästina-Pioniere sich rekrutiert haben. Ich möchte aber noch auf <6ine Schwäche unserer oündesbrüderlichen Zionisten zu sprechen kommen. Es ist die feelbsttäusicherische Redensart: wenn idh auch nicht nach Palästina gehen werde, , so werde ich doch wienigistens meine Kinder derart erziehen, daß sie dereinst ins gelobte Land übersiedeln. — Das Klingt ja ganz schön. Solche Denkungsart ist aber zum mindesten ein Zeichen von Kurzsichtigkeit und von Mangel an Verständnis für die Erziehung der heranwachsenden Jugend. Was wollen deinin diese Bundesbfüder ihren Sprößlingen meljr bieten, als was ihnen selber das jüdische Golus geboten hat? Sie klönhen die Kinder noch frühzeitiger auf jüdische Dinge hinweisen und in« ihnen ein warmes, jüdisches Interesse erwedken. Aber das ist und bleibt doch stets nur ein Interesse und Verständnis für das jüdische Golusleben. Nein, solche, Kaufleute, Aerzte usw., köinnen nun von einer der syrischen