Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 10-12 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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^4 Per jüdische Student Ich sehe in dieser auch bei Euch nicht seltenen Geschichtsauffassung einen Rest unbewußten Festhaltens an der Assimilation, Das wesentliche unserer geschichtlichen Leistung ist nicht die Jugendr und Heldenzieit unseres Volkes, sondern die Arbeit jener Weisen, die den Talmud aufzeichneten, und ihrer Nachfolger. Mit deiri liberalen Judentum ist man'bei Euch in der Verwerfung dieser Leistung einig: diese haben die Propheten sich dazu ausersehen, sie für Reformgemeinderabbiner auszugeben, ihr haltet für gut, das biblische Heldenzeitalter als gleichsam- oder ersatzgermanisch zu verleumden. Ich will Euch hierin nicht entgegen sein, wohl . ber Eurer Goiuslegende von der Minderwertigkeit unseres späteren Schrifttums („aus Not und Zwang geboren, Spitzfindigkeit, Enge, erklügelt") widersprechen. Ist Euch noch nie beigefallen, daß unsere* Brüder, die*Araber, die doch nicht nur kein öolus kennen, sondern ihr Gebiet weiter über ihre alte Gemarkung vorgeschoben haben, in ihrem Schrifttum unserem talmudischen Geiste so überraschend ähnlich sind? Ich darf voraussetzen, daß selbst Ihr wißt, daß die (beduinischen) Araber das Blut unseres Vaters Abraham unvermischter erhalten haben, also rassereinere Semiten sind als wir. Das wißt Ihr doch? Nun, auch die Araber hatten das fieldenzeitalter. Wie sehr es dem unseren entspricht, lernt Ihr aus dem Rachelied des Ta'abbata Scharran, das man in den Noten von Goethes Westöstlichem Divan findet. Aber auf diese Zeit heldischer Blindheit folgt der Glaube an Gott den Einen, der erklügelte, spitzfindige, golusmäßige Monotheismus 1 * Sure 112: „Sprich, Gott ist Einer, der allmächtige Gott, er hat nicht gezeugt, er ist nidit gezeugt, und nicht ist seinesgleichen Einer." Das Zeitalter der arabischen Philosophie! Neben Maimuni und Spinoza stehen ihre Lehrer, der Araber Ibn-Sina (Avicenna) und der Araber Ibn Rusdid (Averroes). Ihr werdet einwenden: Ja, unser spanisches Zeitalter ist eine Zeit der Assimilation! M|t nichten! Der Orient war zu uns gekommen, da wir nicht zum Orient konnten : Juden ßnd Araber siedelten als getrennte, wenn auch stammverwandte und religionsbefreundete Völker nebenamd durcheinander. Das war nicht Golus, sondern ^beinahe das Gegenteil des GoJus! Woher es auch kommt, daß' das spanische Zeitalter für uns eine so überragende Bedeutung hat. Und wie sehr das mittelalterliche Judentum seine Kult Urgemeinschaft mit den Arabern empfand, lernt main daraus, daß es die Werke der großen Araber, vor allem des Ibn- Ruschd ins Hebräische übersetzte, so die treffliche Abhandlung „Philosophie und Theologie^ (deutsch von M. J. Müller), die man lange, Zeit sogar nur: hebräisch kannte. Lest die iMakkmenÜes Hariri, lest-die arabischen Sprüchwöirtersammlungen (jene herausgegeben von Rückert, diese zuletzt . von