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Der jüdische Student · 1917-11-01 · Heft 6-9 (November 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
Heft 6-9 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
[Seite] (sequence 47)
Language
German
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Der jüdische Student 47 Bedürfnisse und Interessen. Man verlangt von unseren Alten Herren politisch-zionistische Arbeit. Auch diese Forderung wird man nie fallen lassen dürfen. Es kommen dafür aber nur diejenigen Bundesbrüder in Frage, die in der allgemeinen zionistischen Politik publizistisch oder oratorisch sich betätigen können, oder diejenigen, die organisatorische Kleinarbeit leisten können. Die meisten ^unserer Bundesbrüder sind auch dazu nicht geeignet und besitzen dazu nicht die genügende Vorbildung. Sie sind eben nicht zu Volkserziehern geboren. Wir sind viel mehr Innenarbeiter und nur die wenigsten von uns sind imstande, politisch-zionistische Außenarbeit zu leisten. Und doch gibt es eine Menge von Dingen, die spezifische Alt-Herren-- fragen sind und die uns als Alte Herren speziell nahe liegen. Diese politischen und kulturellen Dinge sind der Inhalt der zukünftigen Alt- Herren-Organisation. .Wir müssen eine Alt-Herren-Organisation habein, eun-e Instanz und einen Verband für die speziellen Alt-Herren-Dinge. Zu diesen Dingen gehören die Fragen des Berufs, der Ehe, der Kindererziehung, des allgemeinen zionistischen Lebens, Dinge, die von Alten Herren von einer höheren Warte aus und in richtigerer, realer Abschätzung gesehen werden,, als von der Jugend. Wir haben bisher geglaubt, daß das Ziel unserer Erziehung der Alte Herr sei. Wir haben diesen Standpunkt von den christlichen Studentenkorporationen übernomrnen. Diese Verhältnisse können ober für uns nicht maßgebend sein, denn der christliche Student, der das Examen gemacht hat, findet im Beruf die ihm adäquate nationale Betätigung. Das trifft für die meisten von uns, die in der Diaspora werden leben müssen, nicht zu. Uns gewährt im allgemeinen der Beruf nicht die innere Befriedigung, nach der wir verlangen. Wir wollen aber eine Möglichkeit haben, unsere zionistischen Erfahrungen und Eindrücke in unserem Kreise weiter auszuleben und auch als Alte Herren uns zionistisch weiter zu entwickeln. Dazu brauchen wir eine eigene Alt-Herren-Organisation. Ich gebe zu, daß,das selbstverständlich ein Bruch mit dem ist, was bisher war. Wir brauchen uns aber nicht ängstlich an Formen zu klammern^ die wir von anderen übernommemn haben, und haben ein Recht, aus unserem Geiste heraus neue Formen zu schaffen. Eine Alt-Herren-Organisation, wie ich sie mir denke, muß in einer gewissen Trennung von dem Jugendkartell gegründet werden. Sie muß ihre eigenen Organe haben, ihren eigenen J. St., ihren eigenen Alt-Herrentag und Alt-Herrenrat. Haben wir eine solche Organisation, dann wird auch die Unzufriedenheit, die heute manche Alte Herren wegen der Entwicklung des¬ Kartells haben, schwinden. Diese Unzufriedenheit basiert im allgemeinen darauf, daß diese Alten Herren das Gefühl haben, als ob die Jungen mit politischen Dingen beschwert würden, für deren Entscheidung ihnen das Augenmaß fehlt, und als ob eine kräftige nationale Erziehung unter di^se.'rt „Theoretisieren" leidet. Die Folge ist, daß manche älteren Bundesbrüder glauben konstatieren zu müssen, daß die Jungen ohne genügende Ehrfurcht vor den Dingen und Abstand vor den Personen mit fertigen, ganz schiefert;

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