Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 6-9 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 45 der Revolution zu verdanken ist. Auch wir müssen jetzt neuen Geist in* die jüdische Masse hineintragen, die Turnvereine müssen die Erziehung zur Selbstwehr leisten, die die Grundlage alles Nationalismus ist und uns. jederzeit, wenn die Stunde kommt, weit mehr zu fordern gestattet. Deswegen muß das Bewußtsein lebendig sein, daß} hier eine große Aufgabe besteht, der jeder einzelne verpflichtet ist. Calvary: Es wird mir nicht ganz leicht, nach der langen Debatte nochmals das Wort zu ergreifen. Mich veranlaßt dazu, was Blumenfeld gesagt hat, weil ich das für verfehlt halte und nicht weiß, wie er dazu gekommen ist. Es sind zwei Dinge, die Blumenfeld dem Blau-Weiß vorwirft. Zunächst,, daß er zu stark von der deutschen Jugendbewegung beeinflußt sei. Ich glaube, daß das, was hier als wesentlich für den Blau-Weiß hingestellt wurde, z. B. wenn der Kneipenbetrieb und gewisse verwandte Dinge gefallen sind, einer allgemeinen Bewegung entsprungen ist; das ist kein Deutschtum und nicht beeinflußt von Deutschtum. Der Blau-Weiß enthält ferner nach Blumenfelds Meinung zu viele Individualisten, aber gerade im Blau-Weiß hat 'sich doch viel stärker das gemeinsam Sozialistische durchgesetzt. Auch die K. J. V.er sind nicht über einen Kam.m geschoren, und ich hätte ebensogut vom K. J. V. sagen können, das sind ja huter Individualitäten! Ich empfinde im Blau-Weiß, daß hier ein Gemeinschaftswesen sich ungemein stark durchgesetzt hat. Das Wandern ist gar nicht das besondere Wesen des Blau-Weiß. Es ist, als ob im Blau-Weiß irgend ein Novum aufgekommen ist, das mit dem K. J. V. schwer zusammenstimmt. Es ist, als ob aus diesen 14- bis 15 jährigen Jungen etwas entstanden ist, was. die Führer ihnen nicht gegeben haben und ihnen auch nicht geben konnten. Es hat sich eben in dem letzten Jahrzehnt ein neues Judentum begründet, und diese Blau-Weißen empfanden im K. J. V. genau dasselbe, was Blumenfeld empfand, als er und seine Freunde die Maccabaea gründeten, sie empfanden, daß im K. J. V. nicht genügend jüdisches Leben ist. Es scheint, daß wir alle etwas von dieser neuen jüdischen Intensität empfangen haben, und daß es den K. J. V.ern noch nicht gelungen ist, <#ese zu erfassen und in Form umzusetzen. Es ist dies dem Blau-Weiß leichter gelungen, weil er von vorn anfing, unbeschwert von Traaition. Eigentlich ist das die Frage, über die ich hier heute überhaupt sprechen wollte, die Frage, von der wir hier vor einem Jahre ausgingen, wie wir nämlich unsere jüdische Stimmungen in jüdisches Leben umsetzen. Aber dazu fehlt mir jetzt die Zeit. Wenn diese Frage gelöst, und im K. J. V. gelöst ist„ gibt es keinen Gegensatz mehr zwischen Blau-Weiß und K. j. V. (Schluß halb 9 Uhr.) II. Tag Vormittag Lelewer: Die Alt-Herrenfrage ist für die zukünftige Entwicklung unseres Kartells von entscheidender Bedeutung. Darüber hinaus ist sie von unmittelbarem, maßgebendem Einfloß für die Entwicklung des deutschem