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Der jüdische Student · 1917-09-01 · Heft 5 (September 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
Heft 5 (September 1917)
Date
1917-09-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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18 Der Jüdische Student isteht.' Das Gesagte gilt nicht für diejenigen Bundesbrüder, die nach unseren sehr verbesserungsbedürftigen Bestimmungen schon nach1 Absolvierung ihres Studiums mit 22 Jahren Alte Herren werden. Unsere Vorschriften über die Ernennung, zum Alten Herren •knüpfen hier an die ganz äußierliche Tatsache* der formellen Beendigung des Universitätsstudiumssl an, die natürlich in keiner Weise geeignet ist, als Abschluß, einer Entwicklung bewertet zu werden. Den Anhängern einer weitgehenden organisatorischen Trennung von Altherrenschaft und Studentenschaft schweben aber meines Erachtens noch andere Motive vor, die bisher in diesem Zusammenhange wohl noch nicht deutlich ausgesprochen worden sind. Eine Reihe älterer Bundesbruder ist mit der Entwicklung unseres jungen Nachwuchses und demgemäß mit der Gestaltung unseres Korporationslebens unzufrieden. Man schilt auf eine übertriebene Geistigkeit, auf einen durch nichts gerechtfertigten geistigen Hochmut. Man macht hierfür das Erziehungssystem verantwortlich und prägt das Sdhiagwert, daßdie Korporation zur Parteischule entartet sei. Man fordert daher die Entfernung der Politik und aller Parteifragen aus1 der Korporation. Politische Arbeit, so sagt man, ist Sache der Alten Herren, in 'Ihrem Kreise müssen Parteifragen erörtert werden, nicht aber in den Verbindungen. Der junge Aktive soll rein gehalten werden von Parteigeist und unberührt von Parteikämpfen mit ihren oft unerfreulichen persönlichen Gegensätzen das Ideal der jüdischen Zukunft im Herzen tragen und seine menschliche und jüdische Erziehung vollenden. Diese Anschauung kann man wohl verstehen, ohne ihre Schlußfolgerungen zu billigen. Soweit sie gewisse unerwünschte Erscheinungen mit Recht kritisiert, übersieht sie, daßi nicht ein bestimmter neuer Geist, der von einer bestimmten Richtung, gefördert wird, hieran die Schuld trägt, sondern lediglich der durc'h den Krieg verursachte Mangel an älteren Bündesbrüdern, die zur Leitung der Erziehungsarbeit berufen waren. Soweit sie sich jedoch gegen den Geist selbst richtet, in dem gegenwärtig die Erziehungsarbeit geleistet wird, ist sie kurzsichtig und ohne genügendes Verständnis für die Forderungen einer neuen Entwicklung. Man kann sagen, daß diese Anschauung auf einer Linie liegt mit denjenigen Bestrebungen, die überhaupt auf eine "Rückkehr zu den bewährten traditionellen Formen und Mitteln unserer alten Korporationserziehung gerichtet isind, die, wie man zfugebien muß-, einheitlichere und geschlossenere Menschehtypien heranzog. Aber wir wissen heute, daß wir ein starres Festhalten an dem alten Formen nicht verantworten können, nicht nur weil wir selbst* die wir ja aus dieser Erziehung hervorgegangen sind, innerlich mit-dem Menschentyp des alten Korporationsstudenten gebrochen haben, sondern weil nach uns eine Jugend heranwächst, dier diese Formen nicht mehr versteht; und die für uns verloren ist, wenn wir" nicht Formen finden, die ihr die

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