Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 5 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Der Jüdische S^geiit; Herren als unbestrittene Tatsache. Es sind immier dieselben Leute, die arbeiten, deren Namen man in der Kartellarbeit; in der Zionistischen Organisation, in den Jugendorganisationen begegnet, während ein großer Teil der Alten Herren sich von solcher Tätigkeit, fernhält und dadurch den Zusiamimenhaing mit dem K. J. V. und zugleich den Zusammenhang mit der Zionistischen Organisation verliert. Die Feststellung dieser Tatsache ist nicht neu. Zudem gibt es wohl niemanden, der die Ursache dieser Erscheinung .ausschließlich in den organisatorischen Unzulänglichkeiten erblickt und glaubt, sie mit organisatorischen Mitteln beseitigen zu können. Wohl aber können organisatorische Verbesserungein Bedingungen schaffen, um viele Alte Herren der—Einwirkung des Kartells zugänglich zu machen, die seit langem dem Leben des Kartells fern stehen und auf die unmittelbar einzuwirken bisher die Möglichkeit fehlte. Dies gilt freilich nicht für alle. Die Untätigkeit der Alten Herren kann verschiedene Ursachen haben; sie kann auf mangelndem Willen zur Mitarbeit, sie kann aber auch auf äußeren Hemmungen beruhen, die den vorhandenen Willen zur Mitarbeit nicht zur Wirksamkeit gelangen lassen. So wieit wir von Alten Herren glauben müssen, daß der ernsthafte Wille zur jüdischen Arbeit und das Bewußtsein ihrer Verantwortung ihnen fehlt, muß der Vorwurf sich gegen die Erfolglosigkeit unserer Koriporationserziehung früherer Zeiten richten, die es nicht verstanden hat, den jüdischen Willen des Studenten so zu entfachen, daß er auch über die' Studentenzeit hinaus fortwirkt und im späteren Leben die Persönlichkeit beherrscht. Wir wissen, daß zti manchen Zeiten die jüdische Erziehung unserer Bundesbrüder unzureichend gewesen iist und dieses Ziel nicht erreicht hat. Für die Generation unserer heutigen Jugend ein besseres Erziehungsergebnis zu erzielen, ist darum die Aufgabe unserer Erziehungsarbeit. Wir haben jedoch früher manchen bei uns aufgenommen und in unseren Reihen behalten, der unfähig war, den Zionismus als ein die Persönlichkeit beherrschendes Ideal zu begreifen. Derartige Sünden früherer Generationen lassen sich heute nicht so leicht wieder gut machen. Abter wir dürfen andererseits nicht vergessen, daßsich unter den scheinbar untätigen Alten Herren auch viele befinden, deren zionistische Gesinnung über jeden Zweifel erhaben ist und die uns gerade deshalb enttäuschen, weil man nach ihren Leistungen als Aktive und Inaktive mehr von ihnen erwartet hatte. Bei ihnen wird man vielfach mit Recht äußere Hemmungen vermuten. Wir wollen nicht -die Schwierigkeiten unterschätzen, mit denen ein Alter Herr, der meist aus einem1 der Zentren jüdischen Lebens in eine kleine ProvirizSstadt kommt, sich dort niederläßt und die praktische Ausführung seines Berufes beginnt, ziu kämpfen hat. Aus der zionistischen Gemeinschaft kontot (er Sn das fast ausnahmslos assimilatorische Milieu seines neuen Wohnortes. Starre Orthodoxie oder indifferenter Liberalismus sind die jüdischen Richtungen, die