Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 4 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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' 580 j -* Der JüdischeVstüdent :; - * *f*-y und all die vielen anderen ruhen, von denen uns jeder eine blü&eiride Hoffnung war und von denen uns gar mancher, eine stehlende Erfüllung geworden wäre. All dies kostbare jüdische Blut, das da seit nahezu drei Jahren auf allen Kampffeldern vergossen wird! Vor Reims ist er gefallen, am 12. April, an der grimmig umkämpften. Linie Prosnes—Moronvilliers * auf Vorposten; in stark bedrängter Stellung^hat er sein Leben gelassen, er, der unkriegerische, ünmilitärische Walter Hirschfeld ist den Soldateniod gestorben_______ Es ist nicht ganz einfach, von ihm ein Bild zu entwerfen,, denn er war nicht sehr zugänglich und eröffnete sein Inneres auch Freunden ungern und nur zögernd. Nur wenige, die den breiten^ schweren, etwas unbeholfenen und linkischen Menschen kannten,, errieten, was in ihm siedete,-wie das Feuer jüdischer Begeisterung und eiserner zionistischer Pflichterfüllung in ihm brannte. Stets hielt 'er sich im Hintergrund, bescheiden wie er war — und doch seines» Wertes sich stolz bewußt. Allmählich, als man ihn erkannt hajtte und ihn nach vorn drängte, gab er nach und freute sich, daß sein f Wollen und Tun auch Anerkennung und Hochachtung aller fand. So> schrieb er für den „Jüdischen Studenten", so fettete er alle Ferien: in Hamburg den Ferialbetrieb, so war er in München und in der Maccabaea Chargierter und ^so arbeitete er, als man ihn zu Weihnachten 1912 ins Präsidium berief, dort während vieler Monate oft halbe und ganze Tage lang. Und immer war ihm' strengste Pflichterfüllung eine Selbstverständlichkeit,. Verzicht auf mancherlei studentische Freuden eine sich selbst auferlegte Entsagung, die er gern, und willig trug. Seine Entwicklung als Schüler war die übliche; aus jüdisch indifferentem Hause stammend, interessierte er "sich vorwiegend für literarische Dinge; seine Mitschüler überragte er an Kenntnissen, an Intelligenz und an Reife des- Urteils himmelhoch. Als. Primaner begann er * an jüdischen Dingen Anteil zu nehmen und trat einem jüdisch-literarischen Diskutier-Klub bei, dem Vorläufer des späteren Hamburger Herzl-Club's. So ward er Nationaljude- und Zionisl und wurde im Sommer 1910 in Freiburg V. J. St.er. Sein Leibbursch ward dort Erwin Goldemarai, den er hoch verehrte und der auch seinerseits große Stücke auf ihn hielt Bei Hirsclifelds Reife wiar das Verhältnis beider gar nicht das eines» Leibburschen zu seinem Leibfuxen, sondern es standen sich da zwei geistig und im jüdischen Wollen gleichstehende Menschen freundschaftlich gegenüber, beide einander^ stark ähnelnd in ihrer adeligen ritterlichen Gesinnung, beide einander gleich in ihrem vornehm, zurückhältenden Wesen, das andere hur schwer nahe an sie herankommen ließ. Goldemanns tragisches Ende hat Walter Hirschfeld tief gesenmerzt, und er hat dieses Unglück nur langsam und schwer verwunden.