Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 4 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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^^^^^^^^^^^^^^^p^^^^^r/--'- m , : . - Der Jüdische Student 559 : französischen Dichter." Dieser, zitiert das bekannte Wort vom; " - Schwierte Gottes aus Jesaja und fährt dann fort: „Ich bin nicht so dumm, die Macht der Sprache zu verkennen. Aber ich kann den Gedanken nicht von der Form trennen und wenn ich auch ' manchmial diesen Judengott bewundere, so ist es in der Art, wie man einen Tiger bewundert. ... Ich werde niemals ein Volk ganz für zivilisiert . halten, so lange es sich von der Bibel nährt...." „In diesem Falle wirst J; du gut tun, auch Furcht vor mir zu haben," sagte Christoph, „Sie ist H das1 reine Mark des Löwen, die widerstandskräftigen Herzen sind es, die . .5 sich von ihr nähren. Das Evangelium ist ohne das alte Testament ein - \ flaues und ungesundes Gericht. Die Bibel ist das Knochengerüst der Völker, die leben wollen. Man muß kämpfen, man muß hassen.u In der Tat, so ungefähr mußf die Bibel auf den Iwirken, der sich , entschließt, nach der Forderung Blumenfelds sie zu lesen, wie ein ' Deutscher den Faust liest. Alles andere ist Umdeutung und Um- :^ biegung des klaren Textes. Ohne diesen natürlich unbewußten -: Denkakt hätte das Judentum sein größtes Erzeugnis längst verleugnen müssen. Auch Blumenfeld tut dem Sinn der Bibel Gewalt an, deutet ihn theologisch, wenn er z. B. Möschens Wirken begründet. Die nationalen Taten unserer Geschichte sind nach ihm nicht durch die Gewalt der Arme, sondern durch die geistige Kraft gekeiin- . v" zeichnet. So ist der Auszug aus' Aegypten und der Zug fins Land der Verheißung die wunderbarste Kraftentfaltung des jüdischen Geistes. In vierzig Jahren der Wüsten Wanderung gelangte der jüdische Geist zur Herrschaft. „Ein heroischer Zug durch die Wüste wäre freilich in wenigen Wochen zu erledigen gewesen." Ich gebe zlu, daß, ich bei dem Mangel an historischem [Sinn* der mich kennzeichnen soll, dieser Geschichtsauffassung völlig hilf* - los gegenüberstehe. Um ihr beizukommen, müßte ich Bände schrei- . ben. Soll ich auf die Tei-el-Amarnaperiode, auf die dreihundert an den Pharao gerichteten Briefe syrischnpalästinenscher Fürsten,, eines Abi-milki öder Abd-chiba hinweisen, die uns ein ziemlich klares Bild von dem vor jüdischen Kanaan geben, von dem Völkergeschiebe und Gedrängie der z!wteiten semitischen Wanderung, das : an die ähnlichen Verhältnisse der europäischen Völkerwanderung : unserer Zeitrechnung erinnert? Soll ich die geschichtlichen Grundwahrheiten breittreten, daß die Vereinigung nomadisierender Stämtorte zu einem Volke, ein gemeinsamer „Volksgeist" erst das Ergebnis der J Seßhaftwerdung sind, daß die biblische Gesetzgebung bereits bäuerliche Zustände voraussetzt, und soweit sie nomadischen Alters ist, ~ uraltem Besitz der semitischen Völkerfamilie entstammt wie er unst - . f , ' ':<nM durch Hammurabis ein Jahrtausend ältere Gesetze bekannt geworden . \i ist? Wo anfangen und wo einf Ende finden? Vielleicht kommen {wir aber schneller zum Ziele, wlenn wir uns an den Text jder Bibel / halten, und zwar, wie Blumenfeld es wünscht, ohne Philologie und