Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 15. Kreigsheft (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Jüdische Student 459 So ist sein ergreifender Tod eigentlich nur eine Wiederholung und ein Sinnbild seines Lebens. Deine Zierde, Israel, auf deinen Höhen erschlagen! Wie aber aber kein Schleier so dicht ist, daß nicht ein Windstoß käme, der ihn lüftete, so gab es auch in seinem Leben ein herrliches Wehen, das alle Schleier löste und darr it auch alle seine Kräfte ans Licht trieb. Es war das Wehen des ewig alten, ewig jungen Judentums, dem er all sein Lebtag ein treuer Diener war, war die jungjüdische Bewegung, die den Mann des verhaltenen aber reinen Gefühls über sich selber emporriß. Da schwand die Verschlossenheit, da wurde alles Geheime in ihm offenbar, und wahre Begeisterung trat an die Stelle der zurückgehaltenen Empfindung. Ein Jude bis in die Fingerspitzen hinein, im Altjüdischen schon durch seine Herkunft tief verwurzelt, in jedem Atemzuge und Blutstropfen ein ganzer Jude hat er allezeit da gestanden, wo die Fahnen am höchsten flatterten, hat er den Kampf für die nationale Wiedergeburt seines Volkes mitgekämpft wie nur einer, mit Leidenschaft, mit Adel und mit Größe; hat er die kleine Welt seiner Gemeinde mit Geist und Leben erfüllt, hat er in der großen Welt der Bewegung und des Ideals als einer der Edelsten gestanden. So entfaltete er, der nur zu oft mit skeptischem Lächeln am Leben vorüberging, sich hier zum freudigsten Lebensbejaher und vermochte zu werden, was er war und was wir an ihm verehrten, bewunderten und liebten : ein adliger Mann und ein adliger Jude. Deine Zierde, Israel, auf deinen Höhen erschlagen! Und so nehmen wir Abschied von ihm! Manu Edelstein,, Deine Frau, die Dich grenzenlos liebte und wieder geliebt war, Deine Kinder, die zärtlich an Dir hingen, Deine Schwestern, die Dich vergötterten, Deine Familie, alle, alle, und nicht zuletzt die Genossen Deiner Ideale, wir nehmen Abschied von Dir. Manch neue Sonne wird aufgehen über dieser Erde, die wunderschön ist, wenn auch heute ihre Felder gar zu blutig blühen; manche herbe Erinnerung wird mit steigendem Alter aus unserer Seele schwinden; — aber was Du in guten und bösen Stunden uns gewesen bist, was Du uns Gutes und Gescheites gesagt und Liebes und Treues getan hast, was Du Deiner Frau und Deinen Kindern warst, das soll Dir ewig unvergessen sein. Der gnädige