Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 14. Kriegsheft (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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,380 l\. ■ Der Jüdische Student zeichnen, in einem besonderen Sinne förderlich; es hat die Situation geklärt. Bei aller Anerkennung der Unterschiede in der persönlichen Einstellung zum jüdischen Erziehungsproblem wird die Mehrzahl der Bundesbrüder der Ansicht sein, daß diese Differenzen für die Arbeit des Kartells nicht entscheidend sein dürfen. Wenn von der einen Seite gern zugestanden wird, daß die Erweckung wahrhaft jüdischen Lebens zu den wertvollsten Entwicklungen der letzten Jahre gerechnet werden kann, so darf auf der anderen Seite die Ueberzeugung durchdringen, daß niemand diese Entwicklung zu gefährden imstande oder gewillt ist, und daß nunmehr die Spaltung nur noch schädliche Folgen zeitigt. Es darf nicht länger der Fall sein, daß eine große Zahl von Alten Herren der jüdischen Arbeit fernsteht. Wir brauchen jeden Mann und brauchen jeden am rechten Platze. Aber wir sollen uns offen eingestehen, daß die größte Schuld an der Untätigkeit vieler Bundesbrüder das Kartell trifft. Es war unsere Pflicht, den jüdischen Willen nutzbar zu machen. Nicht jedem ist es gegeben, sich selbst sein Feld zu schaffen, und wer an verantwortlicher Stelle über mangelnden Eifer und mangelnden Zusammenhang der vielen Bundesbrüder im Reiche kkgt, der beklagt in neunzig von hundert Fällen die Folgen seiner eigenen Unterlassungen. Statt Klagen ziemte Aufbauen. Eine ernste Prüfung der Ursachen mußte zeigen, daß im Rahmen der Kartellarbeit keine Aufgaben gestellt werden können, die die Tatfreude der Alten Herren erhalten; und da das Kartell die Verantwortung für die jüdische Arbeit unserer Bundesbrüder trägt und an keine andere Stelle abzugeben vermag, muß das Kartell die Arbeit seiner Alten Herren über seinen eigenen engen Aufgabenkreis hinausführen. Wenn jetzt von allen Seiten die Organisation der Altherrenschaft verlangt wird, so fürchte und beabsichtige man keine Tendenz! Nicht, daß sich die Richtung Zwirn eine Macht gegen die Richtung Blumenfeld schafften wolle; auch nicht, daß die Richtung Blumenfeld nach der vorwiegenden Herrschaft strebe. Die Arbeits- und Lebensgemeinschaft, die wir erhoffen, kann nur bei innerem Frieden gedeihen. Vielleicht werden die Bezirksverbände weniger Hebräisch treiben, als mancher für notwendig hält, aber jede Bemühung und jede Erfolgsaussicht ist von vornherein zerstört, wenn nicht alle darin übereinstimmen, daß die persönliche Einstellung zum jüdischen Erziehungsproblem Privatsache ist. Auch unsere Bezirksverbände sollen Stätten des zähen Kampfes sein, auf denen Jacob mit dem Engel ringt; das aber ist ein Kampf um innere Werte, nicht um äußere Wertung, Was wir zur Arbeit brauchen, ist allen gemeinsam: unerschütterliche Hingebung an die nationale Sache, als deren größte Hoffnung wir den Zionismus erkannt