Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- Sommer-Semester (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537613-3537620--3832-3541571- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
38 Der Jüdische Student Das wichtigste Mittel zur Aufrechterhaltung des geistigen Lebens im K. J. V. blieb natürlich unser internes Organ, der „Jüdische Student". Er hat sich im Kriege in noch höherem Maße als im Frieden als der Mittelpunkt aller Gedanken, Bestrebungen und Wünsche herausgestellt, die die K. J. V.-er bewegen, und es haben in ihm Diskussionen über die verschiedensten Themen stattgefunden, an denen sich namentlich auch die im Heere Stehenden eifrig beteiligten. Es ist selbstverständlich, daß ein studentisches Kartell während des Krieges nicht imstande ist, in allen seinen Korporationen den Verbindiuingsbetrieb aufrechtzuerhalten. Von den 15 Verbindungen und 4 Stammtischen, die das K. J. V. umfaßt, mußten die beiden Verbindungen in F r e i - bürg, in Wien (Kadimah) sowie der Stammtisch in S t r a ß b u r g ihre Tätigkeit völlig einstellen. In Bonn und Heidelberg vermochten die wenigen zurückgebliebenen Bundesbrüder wenigstens ein leidliches Leben aufrechtzuerhalten, in Frankfurt, Leipzig und Greifswald konnte mit größerer Intensität gearbeitet werden; auch in München (2 Verbindungen) ließ sich der Korporationsbetrieb halten; vor allem aber wurde in Breslau, Königsberg und in B e r 1 i n das regelmäßige Verbindüngsleben fortgesetzt. In Breslau schloß sich die alte B. J. C.-Korporation mit der alten K. Z. V.-Korporation für die Kriegszeit m einer Verbindung zusammen. Ebenso arbeitet in Berlin das aus den alten B. J.C.¬ Verbindungen, V. J. St. Berlin, V. J. St. Charlottenburg, V. J. St. Maccabaea und der K. Z. V.-Verbindung Hasmonaea zusammengesetzte „K. J. V. Berlin" als einheitliche Verbindung, neben denen der Ruder-V. J. St. besonders durch die Unterstützung einiger alten Herren eine eigene Organisation aufrechterhalten könnte. In diesen Verbindungen arbeitete man friedensgemäß. Wohl bewirkte der Ernst der Zeit und die schweren Verluste, die das Kartell erlitten hat, das frohe Kneipen seltener als im Frieden stattfanden; die wissenschaftliche Ausbildung der Füxe und Burschen aber wurde wie immer durchgeführt, und ein strenger, an die Bundesbrüder große Anforderungen stellender Verbindungsbetrieb bewirkte am besten, daß die beiden alten Kartelle völlig miteinander verwuchsen. Das Kartell hat es trotz des Krieges gewagt, auch die Lösung neuer Probleme praktisch in Angriff zu nehmen. Die Frage, wie wir unser Leben bereits in der Diaspora jüdischer gestalten können, hat das K. J. V. während des Krieges tief bewegt, und sie hat nach den Ausführungen, vor allem der Bundesbrüder Blumenfeld und Salli Hirsch auf dem K. J. V.-er Tage den Weg zur Lösung gefunden. In viel energischerer Weise als früher wird heute die hebräische Sprache von den jungen K. J. V.-ern gelernt; die jüdische Geschichte wurde vor allem unseren Berliner Bundesbrüdern in dem ausgezeichneten Kursus, den Herr Rubas chof f im K. J. V. Berlin abhielt, nahe gebracht, und es scheint, als ob. ein wirkliches Arbeitssystem, das die ganze Zeit der Aktivitas und frühen Inaktivitas umfassen soll, zur Durchführung gelangen wird. Daß die K. J. V.-Arbeit in der Beschäftigung mit wissenschaftlichen Dingen nicht völlig aufgeht, braucht nicht betont zu werden. Fechten, Wandern und Turnen gehört wie im Frieden zu den selbstver-