Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 13. Kriegsheft (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 361 Was mir der K. J. V.-Tag brachte Von Arno Lauer (V. J. St. Jordania), München Mit recht zweifelhaften Gefühlen war ich zum K. J. V.¬ Tag gegangen. Ich erwartete innerpolitische Auseinandersetzungen der Kartellkorporationen und war geladen mit all der Mißstimmung, die diese zwei Jahre in der Jordania hatten wachwerden lassen. Doch ich kam nicht dazu, das auszusprechen, was mich erfüllte, als ich nach Berlin fuhr. Ich fühlte alles in Nichts zerflattern, als ich den Ton anschlagen hörte, der während der ganzen zweitägigen Sitzungen der herrschende geblieben ist, und als ich den Geist wahrnahm, der alle Teilnehmer , eifüllte. Schon die ersten Stunden zeigten mir klar: die Jordania gehört diesem Kartell so fest und so innig an, die Grundstimmung jedes anwesenden Bundesbruders ist so vollkommen die gleiche wie die jedes Jordanen, daß es mir unfaßbar erschien, wie überhaupt dieser scheinbare Gegensatz zwischen der Jordania und dem Kartell entstehen konnte. Zwischen der Jordania und dem Kartell —J — Da liegt des Pudels Kern. Was wußte denn die Jordania vom Kartell? Und was das Kartell von der Jordania? Um aufzuklären, müßle ich ab ovo beginnen und die kleinen und kleinsten Reibereien schildern, die nach der Fusion (vielleicht schon vorher) zwischen dem Präsidium und der Jordania entstanden sind. Daraus hat sich schießlich ein größerer Gegensatz entwickelt, der nur dadurch ins Kartell getragen wurde, daß aus den Protokollen der Präsidiumsitzungen in den J. St.-en unglücklicherweise immer gerade das veröffentlicht wurde, was den Anschein erwecken konnte, als ob die Jordania mit der Fusion nicht zufrieden sei und nach Möglichkeit das Kartell wieder sprengen wollte. So kam es, daß die Jordania als die Wühlkorporation im Kartell angesehen wurde, daß ein Jordane, der nach Heidelberg und Bonn kam, von dortigen Bundesbrüdern gefragt wurde: Na, wann tritt die Jordania aijs? Ich will hier nicht urteilen, wen die Schuld an diesen Dingen trifft. Sicher aber ist, daß eine- Reihe anderer Bundesbrüder infolge persönlicher Differenzen mit der Kaitellleitung, wie sie die Jordania in ihrer Gesamtheit ausfocht, um ihre Aufnahme bzw. A. H.-ierung in der Jordania nachsuchte. Ferner hat der K J. V.-Tag gezeigt, daß. auch weitere Kreise von Bundesbrüdern, zumal Alte Herren, an der Kartellleitung mancherlei auszusetzen hatten, und daß sie ihre Forderungen und Ablehnungen so scharf formulierten, daß man es als »letztes die Hand ausstrecken« empfand. Vor solchen Ultimatis hat eigentlich die Jordania noch nie gestanden. Aber das Verständnis und das entgegenkommende Erwägen, das so einschneidende Forderungen bei der Kartellleitung und den anders