Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 12. Kriegsheft (27.11.1916)
- Date
- 1916-11-27
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 335 unhaltbar geworden ist. Die Einzelkorporation hat jede Bedeutung verloren; infolgedessen ist ihr Zusammenhang völlig gelockert worden, und die Beziehungen zu den Alten Herren» beschränken sich im wesentlichen auf die Beitragszahlungender Letzteren. Die Selbstbestimmung der Korporation ist geschwunden. In allen wichtigen und unwichtigen Dingen wenden/ sich die Korporationen nach Berlin und holen sich dort ihre Direktive. Man wird uns sagen, daß sie freiwillig diesen Weg zum Entschlüsse über Berlin nehmen. Das ändert jedoch durchaus nichts an der Beurteilung dieser Tatsache Denn der Weg ist von Berlin aus gewiesen. Die Quelle allen Uebels ist,, daßdasPräsidium es verstanden hat, sich im Laufe der Z e it aus seiner Stellung als Verwaltungseinrichtung zu einer Behörde, und zwar zu der einzigen und obersten Behörde, im K. J.V. umzuwandeln. Aller bundesbrüderlicher Zusammenhang, wie ihn die gemeinsame Arbeit in der Korporation, das-Gefühl der Zusammengehörigkei,, wie es gemeii sam getragene Verantwortung schafn, ist damit geschwunden. Das ganze Kartell ist einemehr oder minder zusammenhängende Masse von „Gesinnungsgenossen", die ihre Gesinnung von Berlin aus erhält Denn — und damit ireffe ich den Kernpunkt der Frage — es genügt, nicht, Zionist zu sein, um im K. J. V. Fiatz zu haben, sondern im1 K.J. V. hat narh den Worten des Bbr. Hirsch eine „einheitliche Stimmung" zu herrschen. Und diese einheitliche Stimmung wird von einer kleinen Gruppe radikal Gesinnter geschaffen. Wer sie nicht teilt, der ist kein guter K. J. V.-er. Das ganze Kartell ist eine Folie; geworden für diese kleine Gruppe, und unsere studentische Organisation ist dazu da, um den Worten und dem. Willen dieser Wenigen Stoßkraft zu verleihen. Das ist nicht nur meine Meinung, auch nicht nur die Meinung derer, die hier anwesend mit mir übereinstiminen, sondern ich weiß bestimmt,, daß wenigstens hundertundfünfzig Bundesbrüder, die nicht hier anwesend sind, ebenso denken. Wir wollen das nicht länger mitmachen. Unsere Korporationen sind weder eine Propagandaorganisation noch ein Ausführungsorgan für diezionistische Vereinigung. Wir wollen Korporationen mit einem Mindestprogramm;, dort sollen die jungen Bundesbrüder zu jungen aufrechten Menschen herangezogen werden. Nicht im Strudel kleinpolitischer Betätigung, und nicht in der Selbstgefälligkeit diplomatisierender Wichtiptuerei. Die jüdisch-politische Betätigung ist. nicht Sache der jüngsten und ihrer Organisation, sondern derer, die in diesen Organisationen zu ganzen, frischen, lebensmutigen Männern erzogen worden sind, und die nun, ins Leben getreten, mit ganzer Kraft für ihre Ueberzeugung eintreten. Für ihre Ueberzeugung unu nicht für die einer kleinen Gruppe Radikaler, welche die