Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 12. Kriegsheft (27.11.1916)
- Date
- 1916-11-27
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Jüdische Student 327 Wie gestalten wir unseren Nationalismus wesenhafter? Auszug aus dem Referat auf dem K.J.V.-Tag von Kurt Blumenfeld Die Uebersiedlung nach Palästina ist das Ziel unseres Lebens. Zionismus ist der Weg nach Zion, wenn auch nur wenige Zionisten diesen Weg zu Ende gehen. Zwei Fragen bedürfen einer Antwort: Ist durch das Leben in Palästina für den einzelnen Zionisten die Erfüllung der nationalen Sehnsucht gegeben? WasNvird aus den in den andern Ländern zurückbleibenden Zionisten? Nicht die Tatsache der Uebersiedlung macht den Menschen neu. Er setzt sein Leben fort, aber auf einem Boden, der ihn fruchtbar werden läßt, wenn er die Kraft zum -Wachsen hat. Im Ausland verdorren auch die Saftigen. Dort wie überall muß er Zionist sein, durch Willen und Tat zum jüdischen Leben streben, aus dem einst Kindern, Enkeln, späteren Geschlechtern die Einheit der Kultur erwachsen wird. Zionismus bleibt auch in Palästina eine Aufgabe. Die Arbeit aller Generationen wird nicht ausreichen ihn zu erfüllen. Ein Volk ist'unvollendet in seinem Geist, solange es an seine Zukunft glaubt. Wir glauben an die Unsterblichkeit unseres Volkes. — Wer von der Landung in Palästina ■ schon den Lohn für die Bewährung zionistischer Gesinnung erwartet: und das Leben dort schon für eine ver-' dienstliche Tat hält, der wird enttäuscht sein. Enttäuscht sind alle, die von Palästina die an ihnen zu vollbringende jüdische Leistung erwarten. Nur; dem gebenden Zionisten wird es zum jüdischen Lande. (Einige deutsche Juden in Palästina sind d e u t s c h e; Juden geblieben und ihre Enttäuschung bildet das Entzücken sogar mancher Bundesbrüder.) Nicht Palästina und der Anfang der jüdischen Gemeinschaft — der eigene Zionismus und der Glaube an die persönliche Notwendigkeit des künftigen Judentums enttäuschen. Daß die Enttäuschten lieber Palästina als sich diskreditieren, liegt in der Unfähigkeit des enttäuischten Menschen, sein Wesen richtig einzuschätzen. Die Förderung der Uebersiedlung: liegtim Wesen- «der zionistischen Auffassung des Judentums, sie kann niemals auch eine Form der zionistischen Bestätigung werden. Die