Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 11. Kriegsheft (20.9.1916)
- Date
- 1916-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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292 Der Jüdische Student und doch ließ er sich so gern treiben von seinen Wellen. Er liebte die Lyrik der Abendstirnmungen und die glühenden Rhythmen der Balladen, er liebte die Bücher in schönem Oewande und die Bilder in tiefen, satten; Farben. Ueber alles aber liebte er die Musik,'die er mit allen Nerven erfaßte, und mit der er alle bezauberte, die seiner dunklen Stimme oder seinem Klavier- und Lautenspiel lauschen durften. Er liebte die Tiere," für die man so rührend sorgen mußte, die auch das Leben nicht verstanden und so putzig waren in ihrer Unvernunft, in ihrer'Angst und Zutraulichkeit.' Ein Bild seines Wesens erschloß sich dem, der sein Zimmer betraf die liebe freundliche Stube,* in der wir als Knaben so oft saßen. Schon als Schüler war er Zioriist geworden. Ich hatte-ihn herausgeholt aus einem Kreise indifferenter'Kameraden, mitten aus seinen christlichen Freunden, -die'alle; an1 ihm hingen mit einer Liebe, die merkwürdig schien, weil 'er eigentlich so gar keine Führernatur * war Und auch' die nicht mit Vertrauen beschenkte, die sich näher 'an ihn1 schlössen. Trotz vielfältiger Ablenkungen wurde er Zionist mit einer ihm selbstverständlichen Treue und Innerlichkeit1 Er:- hätte "auch Ernst gemacht. Er, der kein Redner und kein Tätmehsch war, ohne viel Aufhebens zu machen, hätte1 er' eines Tages für sich die Konsequenz gezogen und wäre als Ländwirt'nach Palästina gegangen, um ganz der Erde zu dienen und den Tieren, die seiner Hilfe bedurften. Und dann ist es eines Tages so gekommen, wie es so oft jetzt ist und so gewöhnlich, Und in< schreckhaften Träumen sich vorbereitet. Man liegt im dunklen'Unterstande auf hölzerner Pritsche und liest die Post; da1 ein Paket; eine Zeitung,'da ein Brief und eine Karte — und -^ dib Karte hat man doch selbst geschrieben — und jetzt ist sie — unverändert — zurück . . . blitzschnell sieht man den blauen Stempel — und mechanisch blättert man weiter in der Post und will nicht hinsehen. Und dann überfällt es einen mit Unerbittlicher Bestimmtheit: er ist tot, Du wirst seine Stimme nie mehr hören, sein Lachen, seine Freude nicht mehr sehen beim Wiedersehen, seine verborgene Trauer beim Abschied. — Zweimal im Kriege hatten wir Abschied genommen, . Zuerst in den Tagen der Mobilmachung, als er mit seinem Regiment