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Der jüdische Student · 1916-09-20 · 11. Kriegsheft (20.9.1916) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
11. Kriegsheft (20.9.1916)
Date
1916-09-20
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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282 Der Jüdische Student dieselben fragen füllen, die wir schon seit einiger Zeit diskutierten: Ostjudenfrage, Palästina, die Korporation. Ich mag es übrigens nicht glauben, daß Bundesbrüder von Polen so beschämende Urteile mitbrachten. Ich glaube es auch nicht, bevor ich sie gesehen habe, die Schar der Bundesbrüder. Nenne es Optimismus! Noch habe ich dasselbe Vertrauen zum Kartell wie im Juli 1914, da wir glaubten, auf der Höhe einer Entwicklung zu sein, da wir Pläne über Pläne für die Zukunft hatten, da wir uns stark und kampfbereit fühlten. Noch halte ich unsere Resultate im Kartell für gut, unsere Erziehungsart für vortrefflich und vertraue denen, die hundert Mal ihre Treue im Liede geschworen haben. War das alles Vereinsmatzerei? war das „studentischer Kram"? Uns nicht, die wir in solchen Augenblicken den Ernst unseres Judentums fühlten und unsere Liebe zu unserem Volke! Lies unsern J. St. vor dem Kriege, vergegenwärtige Dir jene freudigen, strahlenden, stolzen Gesichter..... Und doch, auch Du sprichst von Erschlaffung, vom Nachlassen jener Glut im Herzen, die uns unsere Semester zum Erlebnis, unsere Korporation zur Heimat werden ließen. Ich weiß, daß Du Beispiele anführen könntest, ich kenne sie ja selbst, die wir verlieren, weil ihr „Beruf sie in Anspruch" nimmt, weil sie keine Zeit haben. Trotzdem aber bin ich voller Vertrauen, und wir müssen nur hieraus lernen, wir müssen versuchen, unseren Füxen einen Beruf zu weisen, der solche Konflikte ausschließt. Im Präsidium muß eine Stelle geschaffen werden, die anregend und beratend zur Seite steht. Ueberhaupt wird unsere Stellung zurOstjudenfrage den Hauptteil des K.J. V.-Tages bilden. Hier ist unsere große Hoffnung für die Zukunft, hier liegt die reale Arbeit für uns und von hier aus dürften Reformideen ausgehen. Wer das Leid in Polen gesehen, wer mit den Juden dort zusammengelebt hat, sie hat arbeiten sehen, wer mit ihnen gesungen und mit ihnen gebetet hat, der wird sie nie vergessen, falls er auch nur eine Spur von Judentum in seinem Herzen trägt. Wer hat sich bei ihrem Anblick nicht vorgenommen und sich geschworen, ihrem Leid ein Ende zu machen, selbst Hand anzulegen an dem Kampf um ihre, d. h. unser aller Freiheit! Wieder müssen wir von unserer Leitung verlangen, daß sie hier eine Stelle

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