Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 10. Kriegsheft 10 (18.8.1916)
- Date
- 1916-08-18
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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268 Der Jüdische Student jene Persönlichkeit, bei denen dieser Tod als Krönung all ihres Strebens erscheint, entweder weil die Vaterlandsliebe sie ganz erfüllte, oder weil die absolute und grenzenlose Hingabe an irgend ein Ziel ihnen eigentümlich wäre. Dazu war er, ich möchte sagen, noch zu knabenhaft. Aber er war nicht mehr knabenhaft genug, um ohne Besinnung und gänzlich sorglos auf Abenteuer und in den Tod zu gehen. Dazu war er wiederum seines Daseins zu bewußt, zu intellektuell. Sowohl körperlich wie geistig war Baruch unfertiger als die •meisten jüdischen Studenten seines Alters. Er mühte sich redlich, einen Standpunkt, eine Lebensanschauung zu erringen, aber er war noch in keine bestimmte geistige Richtung hineingekommen und war deshalb von Menschen ganz verschiedener Art in gleicher Stärke, aber doch niemals wirklich stark, beeinflußbar. Wirklich stark deshalb nicht, weil alles bei Fritz Baruch, sein Denken und sein Arbeiten, noch von sehr jugendlicher Art war. Außerdem kannten wir ihn alle nur in seinen ersten Semestern, in denen die meisten Studenten noch etwas unenergisch und ziellos sind. Aber in Wirklichkeit war Baruch leicht interessierbar und auch tatsächlich vielseitig interessiert: jüdisch, wissenschaftlich und musikalisch. Für alles hatte er eine sehr schnelle Auffassungsgabe. Ihr hatte er es wohl zu verdanken gehabt, daß er unter seinen Mitschülern eine gewisse besondere und doch anspruchslose Rolle spielte, wie auch bei uns bei manchen Gelegenheiten. Baruch stammte aus einer Familie, in der noch so manche jüdische Traditionen leben, die sich aber ganz besondere Mühe gab, den Zusammenhang mit dem Judentume zu lösen. Akademiker, die aus solchen Familien hervorgehen, sind, glaube ich, für uns fast immer zu gewinnen. Baruch war deshalb einer der Typen, die unter zionistischen Akademikern häufig wiederkehren und noch häufiger werden könnten. Es haben ihm nur wenige Bundesbrüder sehr nahe gestanden, aber allen war er ein lieber Kamerad, und alle werden seiner freundlich gedenken. Werner Fraustädter VOM PRÄSIDIUM Die Keilarbeit Unsere bisherigen Erfahrungen beweisen uns, daß die Haltung der jüdischen Jugend gegenüber dem Zionismus durch den Krieg keineswegs in ungünstigem Sinne verändert ist. Wenn trotzdem •das Ergebnis unserer Arbeit mäßig ist, beruht das darauf, daß