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Der jüdische Student · 1916-08-18 · 10. Kriegsheft 10 (18.8.1916) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
10. Kriegsheft 10 (18.8.1916)
Date
1916-08-18
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Der Judische Student 23? heute ist, im östlichen Kriegsgebiet empfangen hat, näher zu prüfen, zumal auf diesem Gebiete die widersprechendsten Urteile geäußert werden. Jeder kennt die Meinungsäußerungen der deutschen Sol^ daten, .in deren Reihen wir nach dem Osten kamen, über die schmutzigen, schachernden, betrügenden und, wie mit besonder rem Behagen erzählt wird, unmoralischen polnischen Juden. Aber es gibt, und das ist beschämend^ eine ganze Reihe Bundesbrüder, die, nachdem sie größere oder geringere Einsicht erlangt zu haben glauben, dieseUrteile einer uninteressierten, ja feindlichen Masse als eigene Erfahrungen herumtragen und so sprechen, als kämen auch sie zu irgend einer fremden, in Afrika wohnenden Völkerschaft. Oft führen sie gar den Brief von Felix Rosenblüth aus Galizien, der im J. St. abgedruckt wurde, als Beweis an. Das zeigtf wieviel die deutschen Zionisten zu lernen haben, und noch deutlicher, was an unserer K. J. V.-Erziehung bisher versäumt worden ist, Statt das Wesentliche mit tiefer Liebe und leidenschaftlich jüdischer Subjektivität zu sehen, sahen viele unter uns — ich auch zuerst — mit der falschen Objektivität des Assimilanten nur das Oberflächliche, und auch das noch falsch. Es kam meist gar nicht so sehr darauf an, daß man erkannte, wie falsch die üblichen schablonenhaften Urteile überhaupt waren; darauf komme ich noch zurück. Vor allem hätten wir alle, wie auch die Dinge lagen, in jeder Sekunde fühlen müssen, daß tausendmal Schuld an allem Elend die Fremden hatten, die unser Volk zu solchem Dasein verdammten; wir mußten fühlen, daß unser Fleisch und Blut dort lebte und daß jede Fremdheit, die in uns aufstieg, eine Abirrung des Instinktes gegenüber dem beglückenden Einheitsgefühl war, das jeder sofort empfand. In jeder äußeren Hülle sind wir es selbst dort in Art und Tun unserer Väter; es ist unsere Weise, Dinge zu fühlen, Leben zu gestalten, unser Lächeln lebt dort; jüdische Güte, jüdischer Witz, und in einem Maße, wie wir es auf das schmerzlichste an uns selbst vermissen, jüdische Inbrunst und Hingabe; das ganze Leben in jeder sozialen Ader ist durchtränkt von Judentum; die Heiligkeit des jüdischen Ritus ließ uns erschauern als ungeahnt großes Erlebnis: wir mußten es fühlen, daß

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