Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 9. Kriegsheft 9 (20.6.1916)
- Date
- 1916-06-20
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Jüdische Student 213 ein Bild zu machen suchen, so tun wir es auf Grund unserer Arbeit in zwei Kriegsjahren, in denen wir einerseits die Fusion als politische Notwendigkeit erprobt, andererseits aber auch ihre Fehler und Schäden kennen gelernt haben. Schon heute scheint es mir insbesondere im Hinblick auf den Zuwachs, den wir in Zukunft in immer steigendem Maße aus dem Blau-Weiß zu erwarten haben, sehr wichtig, über unsere Stellung zu den durch den Blau-Weiß verkörperten Bestrebungen Klarheit zu schaffen. Wie allgemein bekannt ist, wurde der Jüdische Wanderbund Blau-Weiß vor vier Jahren von einigen Bundesbrüdern gegründet, unter anderem aus der Ueberlegung heraus, daß wir mit unserer Erziehungsarbeit früher anfangen müssen. Damals war es geradezu zionistische Pflicht für jeden Bundesbruder, der es nur konnte, als Führer dort mitzuhelfen, und aus dieser Zeit stammt wohl auch die weitverbreitete Meinung, daß der Blau-Weiß Keilinstitut der Verbindung sei. Seine Entwicklung besonders in den letzten zwei Jahren hat aber gezeigt, daß man sich damit in einem großen Irrtum befindet. Die Gründer haben nicht ahnen können, daß ihre Saat so mächtig in der jüdischen Jugend aufgehen und diese nach kurzer Zeit ihre Zukunft derart in eigene Hände nehmen würde, wie es tatsächlich geschehen ist. Schon heute kann man den Blau-Weiß als die nationaljüdische Jugendbewegung bezeichnen und ihr damit einen selbständigen Platz neben den anderen Organisationen einräumen. Es ist nicht mehr das Wandern allein, das die Jungen zusammenführt, sondern gemeinsames Erleben jüdischer und rein menschlicher Werte wie gemeinsame Erinnerung an Stunden der Arbeit an sich und ihrer Bewegung, was ein festes Band für Gegenwart und Zukunft um alle Beteiligten geschmiedet hat. Was den aus dem Blau-Weiß hervorgegangenen Studenten von dem Keilfuxen unterscheidet, liegt weder auf dem Gebiete der Tendenz noch auf dem im Wandervogel hochgezüchteten, uns unwesentlichen Gebiete der äußeren Lebensreform, worunter auch der Kampf gegen Alkohol und Nikotin zu verstehen ist. Vielmehr ist der [ Unterschied zu erblicken einmal in der größeren Reife zionistischen Fragen gegenüber, die teilweise dadurch bedingt ist, daß die Jungen den Problemen früher entgegentreten und zumeist eine von Kämpfen