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Der jüdische Student · 1916-06-20 · 9. Kriegsheft 9 (20.6.1916) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
9. Kriegsheft 9 (20.6.1916)
Date
1916-06-20
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Der Jüdische Student 197 eine Idee, für Palästina tut. Ich ziehe aus unserer Teilnahme am Kriege die entgegengesetzte Konsequenz wie Bertold Cohn und Preuß: war mir vorher jede körperliche Betätigung als Lebensarbeit fremd, so ist sie mir jetzt, wo ich sie kennen gelernt habe, verhaßt und widerwärtig. Ich gestehe offen zu, daß mir die sonstigen Strapazen und Unannehmlichkeiten des Krieges nicht so widerwärtig waren und sein werden, als die Schanzarbeit. Wobei ich den Unterschied zwischen den Arbeiten im Kriege mit Hacke und Spaten und dem in Palästina keineswegs verkenne. Was einen Vergleich möglich macht, ist ja nur die körperliche Arbeit und der Verzicht auf jeglichen Luxus und Kultur. Doch das ist individuell. Was aber nach meiner Erfahrung über den Rahmen des Einzelnen hinausgeht, ist die Tatsache, daß wir während der Monate, die wir im Felde gewesen sind, nicht, wie Cohn und Preuß meinen, uns der Kultur entwöhnt haben, so daß es leichter für uns wäre, gleich nach dem Kriege in bescheidenen Verhältnissen weiter zu leben. Ich glaube im Gegensatz dazu, daß wir es gelernt haben, uns nach Kultur und Lebensgenuß zu sehnen. Auch an unsere Loslösung vom heimischen Kreis vermag ich nicht zu glauben. Meine Beziehungen wenigstens sind erheblich inniger und intimer geworden als je zuvor. Es ist also falsch, davon zu sprechen, daß wir generell es durch den Krieg leichter hätten, uns loszulösen. Bleibt die Frage, ob wir nicht trotzdem unsere Uebersiedelung gleich nach dem Kriege ins Auge fassen müssen. Ich verkenne keineswegs, daß einige Bundesbrüder aus Liebe zur Sache all dieser Schwierigkeiten Herr werden können. Nur halte ich ihre Zahl für gering. Und möchte davor warnen, daß sich Bundesbrüder durch die Tatsache, daß sie den Krieg mitgemacht und ausgehalten haben, nun falschen Hoffnungen hingeben. Aber die praktische Durchführbarkeit, oder um nicht mißverstanden zu werden, die Einzelheiten der praktischen Durchführungsmöglichkeiten sind nicht das Wesentliche an diesem Aufruf. Wenn wir, durch ihn angeregt, unsere Lage hier noch einmal kritisch untersuchen, so werden wir folgendes finden: Wir stehen mit unserem Zionismus seit Jahren auf demselben Fleck. Wir kommen nicht weiter. Die Zahl unserer organisierten Anhänger hat sich seit Jahren nicht wesentlich vermehrt und die Opferfreudigkeit selbst unserer besten Zionisten macht Halt, wenn wir von ihnen verlangen, daß sie in ihrem Leben einschneidende Veränderungen vornehmen sollen.« Das ist begreiflich aus den sozialen Verhältnissen heraus. Je tiefer man im Leben wurzelt, desto schwieriger ist es selbstverständlich, sich loszulösen. Darum müssen wir froh sein, daß Bert-

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